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Amritsar und eine der gefährlichsten Grenzen der Welt

Amritsar an eine der gefährlichsten Grenzen der Welt

Nach einem kurzen Besuch am Tach Mahal bin ich über Dehli nach Amritsar gereist um am nächsten Tag die Grenze in Richtung Pakistan zu überschreiten. In Amritsar besuchte ich den Goldenen Tempel, dem wichtigsten Heiligtum der Sikhs und ein unheimlich beeidruckender und friedlicher Ort nicht weit weg von einer der gefährlichsten Grenzen der Welt!

 

Von Dehli nach Amritsar

Mit dem Nachtbus ging es von Dehli nach Amritsar. Zuvor war ich im Bazaar vor dem roten Fort. Tausende von Menschen wimmeln durch die engen Gassen, bieten ihre Waren feil und transportieren große Pakete von A nach B. Auf Basaren bekommt man nicht nur immer das günstigste sondern auch das besten Essen. Ein Händler bietet ein großes balonartiges Schmalzgebäck an das mich an „Hasenohren“ aus meiner Heimat erinnert. Dazu einen zwar nur wenig scharfen aber leckeren Linseneintopf. Man kann soviel Eintopf nachbestellen wie man will (40 Rupien).

An einem dritten Stand gibt es einen Fruchtcocktail aus frisch gepresseten Graipfruits. Die Presse dafür hat der Verkäufer in liebevoller Arbeit selbst gebaut 80 Rupien

Amritsar

Am nächsten Morgen in Amritsar angekommen. Mach ich mich mit dem Tuktuk auf dem Weg zum Goldenen Tempel. Der Fahrer der mich hinbringen soll, möchte mich liebend gerene in ein Hotel einquatieren um eine Vermittlungsgebühr kassieren zu können. Ich habe mich aber schon zuvor über den Ort informiert und weiß das es wohl eine große Herberge in der Nähe des Tempels gibt in dem auch Touristen die Möglichkeit haben kostenlos zu übernachten. Bloß wo dieser ist gilt es noch herauszufinden.

Zielgerichtet gehe ich auf den Haupteingang zu ohne mir sicher  zu sein ob die Herberge im Tempelinnnerern ist und ich mein Gepäck mitnehmen darf oder nicht. Ich entschließe mich erstmal das Gepäck bei einer Gaderobe abzugeben. Ein freundlicher Sikh aus Dehli der ebenfalls in der Schlange steht macht mich darauf aufmersam, dass es doch eine Herberge gibt, ganz gratis! Ob er mich den hinführen könnte frage ich. Aber gerne meint er.

Amritsar und eine der gefährlichsten Grenzen der Welt

Altstadt von Amritsar

Die Sikhs

Er erklärt mir einiges über seine Religion. Jeder Mensch ist ein Student und sollte vom anderen lernen. Die Sikhs glauben nur an einen Gott. Das Kastensystem spielt für sie keine Rolle jeder vor dem anderen Gleich und Gemeinschaft ist ihnen sehr wichtig.

Schon sind wir angekommen.  Eine unglaubliche Menge an Pilgern und Wallfahrern gehen ein und aus, viele von ihnen haben ein provisorisches Nachtlager in dem großen Hof aufgeschlagen, bestehend aus einer einzelnen Matte. Die Herberge befindet sich unscheinbar an einem Seiteneingang ohne Hilfe hätte ich ihn wohl nicht gefunden. Ein strenger Sikh nimmt meine Reisepassdaten in ein großes Buch auf. Ihr Erkennungsmerkmal ist ein kräftiger Vollbart und ein Turban auf den Kopf. Manche wenige von ihnen tragen sogar einen kleinen Krummsäbel am Gürtel. Das Zimmer teile ich mir mit einem Koreaner und Stefan aus Österreich, der über Nacht mit dem Zug von Dehli nach Amritsar gekommen ist.

Amritsar und eine der gefährlichsten Grenzen der Welt

Herberge beim Goldenen Tempel

Amritsar an eine der gefährlichsten Grenzen der Welt

Bauarbeiten an der Tempelküche vor der Herberge

Der Goldene Tempel

Wunderschön strahlt der goldene Tempel schon von Weitem im Sonnenlicht. Er steht mitten in einem riesiegen Wasserteich. Das Baden darin soll Glück bringen. Im Tempel ist jeder willkommen, ganz egal welcher Religion er angehört.

Wächter mit langen Speeren passen auf, dass sich jeder den Regeln entsprechend verhält und die Stätte respektiert. Vom langen umherstreifen auf dem weitem Areal werden wir hungrig. Auch etwas zum Essen soll es geben. Hunderte von Menschen versammeln sich in der Essenshalle. Wir bekommen zweirlei Linseneintöpfe mit Milchreis und Roti. Am Interessantesten finde ich den kleinen Wassertank, auf ein Fahrgestell montiert und einen Hebelzug versehen ganz automatisch den Wasserhahn öffnet und das kostbare Nass in die Trinkschalen laufen lässt. Und am Großartigsten, dass jeder soviel Nachschlag bekommt, wie er möchte.

Amritsar an einer der gefährlichsten Grenzen der Welt

Goldener Tempel von Amritsar

Amritsar an einer der gefährlichsten Grenzen der Welt

Satt und zufrieden verlassen wir wieder den Tempel. Stefan fragt mich ob ich mit ihm heute Abend zur Wagha Broder Zeremonie kommen möchte, vor der Herberge befindet sich ein kleiner Schalter an dem man sich Tickets für 120 Rupien pro Person kaufen kann. Der Preis ist so günstig, dass ich einschlage.

An einer der gefährlichsten Grenzen der Welt

Nach einem kleinen Nickerchen, die Nachtfahrt war für uns beide nicht erholsam. Starten wir zum Schalter. Ein Chinese will auch mitkommen, vielleicht ist es seine erste Reise in ein Land wie Indien in dem die Uhren etwas anders laufen, nämlich 20-30 Minuten nach, aber er ist sehr aufgreregt und erboßt, dass der Fahrer sich verspätet und wir dann auch noch erst zum Fahrzeug laufen müssen. Als er dann auch noch in den Kofferraum des Jeeps eingebauten und wenig bequemen Sitzbänken platz nehmen sollen, scheint er kurz vor der Explosion zu stehen. Uns amüsiert das nur, längst haben wir uns an die indische Zeit angepasst.

Amritsar und eine der gefährlichsten Grenzen der Welt

Nachts am Goldenen Tempel

Fünf Inder sind auch mitgekommen. Sie wollen einen Hindutempel besuchen. Wieder ist der Chinese wegen der Unterbrechung genervt. Bevor wir warten und schmollen folgen wir lieber den Indern und besuchen den völlig verrückten Tempel. Über wirren Gängen muss man durch Tunnel und Löwenmäuler krabbeln, was angeblich Glück bringen soll. Das ganze fühlt sich an wie im Phantasialand.

Die Fahrt geht weiter an einer der gefährlichsten und am strengsten bewachten Grenzen der Welt. Zwischen den beiden seit der Teilung von 1947 streng verfeindeten Ländern Indien und Pakistan gibt es angeblich immer wieder Kämpfe an den Grenzen. Wer über den Zaun klettert wird erschossen steht in großen Lettern auf der mit Stacheldraht gesicherten Mauer.

Die große Zeremonie

Amritsar und eine der gefährlichsten Grenzen der Welt

Vor der Indischen Tribüne

Am Eingang für die große Zeremonie warten bereits viele Inder. Der Chinese rennt völlig hektisch vor er will keinesfalls den Anfang verpassen. Stefan und ich lassen uns Zeit, hinter uns sind noch genügend Leute und bevor diese nicht ihre Sitzplätze eingenommen haben, wird die Zeremonie bestimmt nicht starten.

Am Securitycheck kurz vorm Eingang wird der Chinese zurückgewiesen. Ladegeräte sind nicht erlaubt, hätte er sich doch vorher nur die Zeit genommen die Hinweisschilder zu lesen.

Ausländer haben eigene VIP-Plätze von denen man eine gute Sicht auf die Zeremonie hat. Auf beiden Seiten der Grenze stehen große Tribünen auf denen man sich das Spektakel anschauen kann.

Mitten hinein wurden Bäume gepflanzt, sodass ja keiner der Inder auch nur erahnen kann, wieviele pakistanische Zuschauer sich auf der gegenüberliegenden Seite befinden.

Amritsar an einer der gefährlichsten Grenzen der Welt

Und los geht die Zeremonie

Die Indische Seite hat einen Art Einpeitscher! Er feiert ausgewählte indische Zuschauer die mit der Nationalflagge über den Platz laufen. Dann wird wild getanzt. Das Land in dem soviel Armut herrscht hochgelebt. Auch ausländische Touristen beteiligen sich, der indischen Militärs kann das wohl nur Recht sein.

Das was auf der pakistanischen Seite nicht verdeckt wird sind die an der Zeremonie beteiligten Soldaten, die völlig familiär mit den Pakistanern Fotos machen lassen und ein pakistanischer Junge der schon seit unglaublichen der zwei Stunden für die Menge tanzt. Beeindruckt über diese Leistung, wollen einzelne Inder Fotos machen. Ein aufmerksamer Wachmann pfeift sie zurück, sie sollen gefälligst das eigene Vorprogramm fotografieren und keine Videos vom Erzfeind machen.

Nun beginnt die eigentlichen Zeremonie. Männer mit langen Schnurbärten und kammartigen Kopfbedeckung, die sie wie stolze Gockel wirken lassen, duellieren sich. Es geht vor Allem darum wer beim Stechschritt seinen Fuß am höchsten bekommt. Das Ganze wirkt für mich sehr aggressiv und auch der Einpeitscher brüllt die pakistanischen Soldaten völlig nieder, sobald diese ihren Auftritt haben. Vollendet wird die Zeremonie indem die Flaggen beider Länder eingeholt und sicher verwahrt werden. Wenigstens ein Handschlag der beiden Zeremonienmeister lässt hoffen, dass vielleicht doch irgendwann ein Fünckchen Hoffnung für eine echte Verständigung besteht.

Amritsar und eine der gefährlichsten Grenzen der Welt

Abendliches Einholen der Fahnen

Wir gehen wieder zurück. Auch der Chinese hat die ganze Zeremonie mitverfolgen können und ist glücklich. Stefan und ich hingegen wissen nicht so recht was wir von der Zeremonie halten sollen.

Wissenswertes

Anfahrt:

  • von Dehli mit dem Bus am Roten Fort (teuer: 1200 Rupien) oder mit dem Zug (günstig aber unbequemer)

Herberge: 

  • In der Atta Mandi, Katra Ahluwalia Straße befindet sich die Herberge vor der Tempelküche und dem südöstlichen Eingang zum Tempel
  • Es gibt einen Schlaafsaal speziell für ausländische Touristen. Sie befindet sich direkt links am Eingangstor
  • offiziell ist dort ein Aufenthalt von 3 Tagen erlaubt. Die Regel wird aber nicht allzu streng genommen. Man hinterlässt seine Passdaten und sollte nicht vergessen bei Abreise sich nocheinmal austragen zu lassen

Wagha Border 

  • Vor der Herberge gibt es einen kleinen Schalter für Taxi- und Transferservices
  • Eine Fahrt zur Zeremonie kostet 120 Rupien, wenn das Taxi voll wird
  • Für eine Einzelperson kostet die Fahrt zur Grenze 800 Rupien
  • Der Eintritt zur Zeremonie ist kostenlos: Achtung Feuerzeuge und Ladegeräte sind nicht erlaubt

Du möchtest mehr über Pakistan erfahren! Hier geht es zu meinem Travelguide für das Land!

 

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