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Limeswanderweg von der Wetterau zum Main

Limeswanderweg von der Wetterau zum Main

Im letzten Limesabschnitt in Hessen führt der Limeswanderweg von der Wetterau zum Main. Von dort aus bildet der so genannte „Nasse Limes“ eine natürliche Grenze. Auf diesen Weg erwarten dich wunderschöne Wälder und Mittelalterstädtchen mit berühmter Vergangenheit, sowie ein verlassenes Kloster und die mystische Drususeiche.

Limesturm

Nahe Hammersbach markiert ein rekonstruierter Palisadenwall auf dem Limeswanderweg von der Wetterau zum Main einen geradlinigen Pfad der entlang des alten Limes durch den Wald führt. Die Reste des aufgeschütteten Erdwalls sind immer noch sehr gut zu erkennen.

In der Mitte des Weges konnte mit Hilfe vom Geschichts- und Kulturverein Limeshain e.V. ein weiterer Limesturm wiedererichtet werden. Nicht nur richtet sich sein Aussehen nach dem neuesten Stand der Wissenschaft, nein auch bei der Verwendung der Baumaterialien legte man Wert auf Authenzität. Er besteht aus Basaltbruchsteinen und Kalkmörtel. Jediglich die Treppe ist neuesten deutschen Sicherheitsmaßnahmen geschuldet, die spinnen die Teutonen würde sich Obelix gedacht haben 🙂

Die Maße des Turmes richten sich nach Grabungsfunden und als Maß wurde der römische Fuß verwendet der mit 29,6 cm, 0,04 cm kleiner war als der englischen Nachbarn. So ergab sich ein quadratischer Grundriss von 5,92 x 5,92 cm und eine Höhe von 11,82 m. Die Mauerdicke betrug 0,90 cm und es wurden insgesamt 500 t Basaltstein benötigt.


Limeswanderweg von der Wetterau zum Main
Limesturm mit neuester deutscher Sicherheitstechnik

Künstlerpfad

Im weiteren Verlauf des Limesweg von der Wetterau zum Main schließen sich ein paar Kunstwerke an, die sich mit dem Limes beschäftigen. Darunter ein stark an die Asterixcomics erinnerndes Schwert und Schild. Geschaffen wurde es vom Künstler Jox Reuss, der damit die Besatzung Germaniens durch die Römer symbolisch darstellen möchte.

Drususeiche

Kurz vor dem Ende des Weges begegnest du der mächtigen Drususeiche. Wie genau sie zu ihren Namen kam ist ebenso ungewiss wie ihr Alter. Feststeht, dass sie schon um 1900 nach dem berühmten römischen Feldherrn und Stiefsohn von Kaiser Augustus benannt war.

Drusus war höchst erfolgreich bei der Eroberung Germaniens er drang sogar bis an die Elbe in die heutige Gegend von Magdeburg vor. Eine Prophezeihung einer alten Frau riet ihm vom weiteren Vormarsch ab und Drusus entschloss sich umzukehren.

Unglücklich stürzte er dabei vom Pferd und brach sich ein Bein so unglücklich, dass er später verstarb. In Mainz wurde ihm zu ehren ein mächtiger Kenothap errichtet, der bis in die heutige Zeit überdauert hat und besuchbar ist.

Limeswanderweg von der Wetterau zum Main
die mächtige und geheimnisvolle Drususeiche

Wie wohl die Geschichte nach der Varusschlacht verlaufen wäre, hätte Drusus noch gelebt?

Marköbel

Nachdem du den Wald verlässt, führt der Limeswanderweg von der Wetterau zum Main nach Marköbel. Dort steht noch ein alter Wachturm der ehemaligen Stadtmauer auch die Kirche ist einen Besuch Wert.

Gasthaus Jägerhof

Besonders empfehlen möchte ich dier das urige Gasthaus Jägerhof, in dem es gutes Essen zu einem günstigen Preis gibt. Unbedingt solltest du nach der langen Wanderung die vorzügliche und kräftigende Zwiebelsuppe probieren.

Am nächsten Tag geht die Wanderung auf dem Limesweg von der Wetterau zum Main an Ravolzhausen vorbei, an dessem Ortseingang du dich am Supermarkt nochmals mit Verpflegung eindecken kannst. Der nächste Ort ist Langendiebach, dann führt der Weg über die Autobahnbrücke A66 wieder in den wunderschönen Auwald der Bulau.

Limeswanderweg von der Wetterau zum Main
Spruch auf dem Limesweg

Geisterturm

Hier triffst du nach einer Weile auf einen einzeln im Wald stehenden, verfallenen und sehr gespenstisch aussehenden Turm.

Er war einst Bestandteil des Klosters St. Wolfgang, das zwischen 1490 und 1494 hier gegründet wurde. Es wurde jedoch schon im Jahre 1527 von aufständischen Bauern geplündert und zerstört.

Heute kann man sich sehr gut vorstellen, dass immer noch die Geister der Mönche des unglücklichen Klosters im Wald umherspuken könnten.

Limeswanderweg von der Wetterau zum Main
Der gespenstische Geisterturm des zerstörten Klosters St. Wolfgang mitten im Bulauer Auwald

Großkrotzenburg

An einer kleinen Kapelle vorbei gelangst du nun direkt in den Ort Großrotzenburg, das auch ein Museum mit einer kleinen römischen Abteilung besitzt. Neben dem Museum, das jeden 2. Sonntag im Monat von 14 – 17 Uhr geöffnet ist, befinden sich die Ruinen eines ehemaligen Römerkastells. Weiter folgst du den Limeswanderweg von der Wetterau zum Main und stehst zum Ersten Mal an dem großen deutschen Fluss. Weiter westlich führt dich eine Brücke auf die andere Uferseite des Mains.

Limeswanderweg von der Wetterau zum Main
Die Reste des Kastelltores in Großkrotzenburg mit dem Heimatmuseum im Hintergrund

Seeligenstadt

Unter dem römischen Kaiser Trajan wurde 100 n. Chr. dort wo sich heute der Marktplatz befindet ein Kohortenkastell errichtet.

Den Schritt von einem kleinen Bauerndorf zur mittelalterlichen Stadt machte Seligenstadt, das damals noch Obermühlheim genannt wurde, durch Einhard. Für seine treuen Dienste als Bibliograph Kaiser Karl des Großen und Berater seines Sohnes Ludwig des Frommen, erhielt er von letzterem den Ort als Schenkung zur Gründung eines Benediktinerklosters.

Eine Legende besagt, dass sich Einhard und Emma, eine Tochter Kaiser Karls des Großen am kaiserlichen Hof verliebten. Darauf hin verbannte der Kaiser die beiden und sie flohen nach Obermulinheim (also Seligenstadt). Als Karl eines Tages in der Stadt weilte und in einem Gasthof Pfannkuchen zubereitet wurden, erkannte er sofort wieder den unvergleichlichen Geschmack, denn Emma arbeitete mittlerweile in dem Gasthaus und hatte für ihn gekocht.

Limeswanderweg von der Wetterau zum Main
Seligenstadt im abendlichen Nebel

Der Kaiser rief überglücklich: „Selig sei die Stadt genannt, in der ich meine Tochter Emma widerfand!“ Diesen Spruch kannst du auch heute noch auf einem der Erker des Einhard-Hauses auf dem Marktplatz widerentdecken.

Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Name von den 827 aus Rom hierhergebrachten Gebeinen der Seligen des heiligen Petrus und Marcellinus stammen, die im Zuge der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian Anfang des 4. Jahrhunderts n. Chr. den Märtyertod starben.

Zahlreiche Pilger und Wallfahrer mehrten infolgedessen den Reichtum der Stadt.

Sehenswürdigkeiten

Einhard – Basilika

Das Wahrzeichen der Stadt erkenntst du schon von Weitem, wenn du auf dem Limeswanderweg von der Wetterau zum Main entlang des Flussufers auf Seligenstadt zuwanderst.

Sie wurde 835 gegründet, da der Andrang der Pilger almählich für den alten Aufbewahrungsort zu groß wurde. Die Basilika war im Laufe der Jahre großen Veränderungen unterworfen, so wurde im 13. Jahrhundert die Apsis und Krypta des schlichten romanischen Vorgängerbaus abgerissen und neu gestaltet, über der Vierung wurde ein großer achteckiger Turm errichtet.

Limeswanderweg von der Wetterau zum Main
Die Einhard-Basilika ist die letzte Ruhestätte der Märtyrer Petrus und Marcellinus

Die zweite größere Umbaumaßnahme erfolgte zur 900-Jahr-Feier 1725, in dem die Basilika barockisiert wurde und u.a. der Vierungstrum eine glockenförmige Haube mit einer kupfernen Gabrielsstatue bekam.

Die Reliquien des Heiligen Marcellinius und Petrus befinden sich im Hauptaltar in einem filigranen Silberschrein, den du durch ein Fenster bewundern kannst.

Sehr sehenswert ist auch der weitläufige Klostergarten, der zur Zeit meines Besuches gerade von Gärtnern auf die Frühlingssaison vorbereitet wurde, um Besucher mit seiner Blütenpracht zu erfreuen.

Marktplatz

Auf dem Marktplatz befindest du dich inmitten wunderschöner alter Fachwerkhäuser. Darunter die Alte Schmiede (Hausnummer 13), sowie Hausnummer 7 + 10 und die alte Aphotheke auch als Einhard-Haus bekannt. Letzeres ist meiner Meinung nach das schönste aller Häuser und stammt aus dem Jahre 1596.

Limeswanderweg von der Wetterau zum Main
Das Einhard-Haus aus dem Jahre 1596

Tipp: Rechts neben den Einhard-Haus befindet sich der Frankfuter Hof, in dem du recht günstig ab 33 € übernachten kannst.

Weitere Sehenswürdigeiten in Seligenstadt

Viel älter ist dennoch das nahegelegene ehemalige Rathaus in der Frankfurter Straße aus dem Jahre 1327.

Das Palatium ist eine rote Wandfassade, einst Bestandteil einer großen Kaiserpfalz, die Kaiser Babarossa Ende des 12. Jahrhunderts errichten ließ, nach dem Untergang der Staufer jedoch als Steinbruch diente.

Die Mulaul ist ein Turm und Teil der alten Stadtbefestigung, den du ebenfalls von Großkrotzenburg kommend passierst.

Das romanische Haus aus dem Jahre 1187 war das Vogteigebäude. Als Zeichen seines Reichtums und seiner Macht wurde es neben der Basilika als einzigstes Gebäude der Stadt ganz aus Stein errichtet.

Limeswanderweg von der Wetterau zum Main
Im Frankfurter Hof kannst du für günstige 33 € die Nacht verbringen



glauberg

Der Fürst von Glauberg und der Wetteraulimes

Trais-Horloffer-See

Von der Arnsburg führt der Limeswanderweg am Wetteraulimes über Felder bis zum Etappenziel Hungen. Dort gibt es mehrere Übernachtungsmöglichkeiten.

Der Weg führte mich am nächsten Tag weiter zum Trais-Horloffer-See. Gleich hinter dem Bahnhof befand sich ein kleiner See mit versunkenen Baumstämmen, an dem ich früh morgens wunderbar die Vögel beobachten konnte. Von Hungen nach Altenstadt gibt es jedoch leider keine sichtbaren Überreste des Limes.

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Vogelbeobachtung in der Nähe des Trais-Horloffer-See´s

Altenstadt Hotel Mönchshof

Auf dem Limes übernachten? Das kann man im Hotel Mönchshof. Der Limes verläuft direkt durch die Grundstücksgrenze.

Altenstadt ist auch ein guter Ausgangspunkt für einen Ausflug zum Glauberg. Mit der Bahn dauert die Fahrt zur Haltestelle Glauburg – Glauberg nur 8 Minuten. Auf den Glauberg führt ein sehr schöner Weg durch Streuobstwiesen.

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Im Hotel Altenstädter Mönchhof kann man direkt auf dem alten römischen Limes schlafen

Glauberg

Der Glauberg ist ein ausläufer des Vogelsbergs. Durch seine Plateauform war er seit jeher ein strategisch günstiger Ort für Siedelungen und Befestigungsanlagen. Schon in der Jungsteinzeit um ca. 5000 v. Chr. befand sich dort Menschen. Im 5. und 6. Jahrhundert bafand sich eine große Keltensiedlung und ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. die Burg Glauberg.

Keltenwelt am Glauberg

Bekannt wurde der Glauberg der Welt durch einen spektakulären Grabhügelfund eines unbekannten keltischen Fürsten. Entdeckt wurde der Grabhügel von Heimatforschern, die aus der Luft eine ringförmige Verfärbung des Getreides erkannten.

Ab 1994 fanden Ausgrabungen statt. Die Untersuchungen ergaben, dass der ursprüngliche Hügel einen Durchmesser von 50 m und eine Höhe von 6 m hatte. Außerdem wurde er umgeben von einen 10 m breiten und 4 m tiefen Graben umgeben. Rätselhaft bleibt die Errichtung großer Holzpfosten im Boden, astronomische Beobachtungen konnte man mit ihnen wohl nicht durchführen. Eine Rekonstruktion der Anlage befindet sich heute vor dem Museum, allerdings lässt sich nicht hundertprozentig sagen, wie diese ausgesehen haben mag, die Holzpfosten in der Erde markieren jediglich die Stellen an denen die Archäologen noch Reste von Holzpfosten in der Erde finden konnten.

Glauberg
Die Keltenwelt am Glauberg ist in einem futuristischen Gebäude untergebracht

Die Ausgrabungen

Die Archäologen staunten nicht schlecht als sie eine 1,86 m große Statue aus Sandstein mit einer sehr auffälligen Kopfbedeckung in der Nähe von Grabhügel 1 zutage förderten. Es musste sich also zweifellos um eine bedeutende Persönlichkeit gehandelt haben. Ob sie den Fürst von Glauberg selbst, einen Priester oder eine andere wichtige Persönlichkeit der Keltensiedlung lässt sich leider nicht mehr herausfinden. Fest steht jedoch, das dieser Fund durch ihre detaillierte Darstellung einzigartig in der keltischen Welt ist, auch wenn der Gesichtsausdruck des Dargestellten sehr unfreundlich wirkt.

Weiterhin fand man im Grabhügel 1 das Skelett eines 30-jährigen Mannes, der mit seiner Kriegerausrüstung bestehend aus einen Langschwert, einer Lanze und einen bemalten Holzbogen und einem Köcher mit Pfeilen bestattet wurde.

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Auch das Museumskonzept ist sehr modern

wertvolle Grabbeigaben

Goldschmuck wie Fibeln, Ohr-, und Arm- und insbesondere einen kunstvoll gefertigten Halsring konnten sich nur wenige leisten, es muss sich zweifellos um eine bedeutende Persönlichkeit am Glauberg gehandelt haben. Eine Kunstvolle Schnabelkanne war mit Honigmet gefüllt, wie eine Analyse der Blütenpollen bewies. Diente sie dazu den verstorbenen im Jenseits zu versorgen oder mit den Vorfahren dort anzustoßen?

Im Gegensatz zu Grab 1 wurde der Tote in Grab 2 verbrannt. Neben Eisenschwert, Lanzenspitzen, Bronzefibel, Gürtelschnalle und Reste von Schuhen fand man auch eine eiserne Röhrenkanne, die wiederum Met enthielt. Die Kanne fasste ganze 9 Liter. Auf dem Deckel sitzt ein mystisches Mischwesen mit dem Körper eines Löwen und den Kopf eines Pferdes.

Die sehr kunstvoll ausgearbeitete Bronzefibel zeigt einen Männerkopf mit Bart gegenüber befindet sich der Kopf eines eigentümlichen Fabelwesens. Was dieses Wohl zu bedeuten hatte?

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Die Grabbeigaben waren sehr kostbar


Burg Glauberg

Auf dem Glauberg gibt es auch die mittelalterlichen Überreste der Burg Glauberg zu entdecken, sie befinden über der einstigen Keltensiedlung.

Gehts du hinter dem Museum zum Glaubergplateau hinauf triffst du zunächst auf einen alten Steinbruch, auf dem das Basaltgestein aus dem der gesamte Glauberg besteht, abgebaut wurde. Spätestens um 500 v. Chr. wurde die keltische Siedlung von einer Mauer umgeben. Sie bestand aus einen Rahmen aus Holzbalken in den man Steine und Erde füllte. Danach schichtete man weitere Steine an der Außenseit übereinander. Leider verotten diese Holzkonstruktionen sehr schnell, ihre Überreste sind aber heute noch in Form von sehr mächtigen Wällen sichtbar.

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Die Wälle der keltischen Befestigung sind heute immer noch sichtbar

Der Glauberg, ein wichtiger Handelsplatz

Der Glauberg war zu dieser Zeit bereits ein sehr dicht besiedelter und ein wichtiger keltischer Handelsplatz. Aus dem südlichen Mittelmeer kamen Keramiken, Bronzegefäße und Wein vom Norden brachten Händler wertvollen Bernstein von der Ostseeküste. Auch Gold und Bronze verarbeiteten die Kelten verabeitet.

Die Gebäude, die du heute noch sehen kannst stammen aus dem 10. Jahrhundert und das Torhaus könnte sogar im 9. Jahrhundert schon existiert haben um die Eingangspforte zum Glauberg zu sichern, die Auswertung der Funde muss dies aber noch bestätigen. Erstmals erwähnt wurde die Glauburg in einer Urkunde von 1247.

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Die heute sichtbaren Ruinen stammen vermutlich aus dem 10. Jahrhundert

Die Glauburg

Vermutlich wurde sie 1241 ausgebaut als sich einige mächtige Fürsten des Reiches unter der Führung des Erzbischofs von Mainz gegen den exkommunizierten Kaiser Friedrich II. und seinen Sohn Konrad aus dem Geschlecht der Staufer erhoben. Auch in der Wetterau, dem eigentlichen Kernland der Stauferdynastie, wechselten zuvor kaisertreue Burgen, wie Bündingen und Ortenberg die Seiten, sodass nunmehr die Glauburg als Bollwerk gegen die Abtrünnigen immer wichtiger wurde.

Doch all die Mühen waren schließlich vergebens. Als eine der letzten staufertreuen Burgen fiel die Glauburg 1256 in die Hände des Feindes. Sinnbildlich für diese unglaubliche Treue der Glauberger steht auch eine alte Sage aus dieser Zeit, der „Glauberger Weibertreu“. Die Eroberer gewährten den Frauen in der Glauburg freien Abzug und mitzunehmen „was ihnen am liebsten ist!“ So nahmen die treuen Ehefrauen ihre Männer kurzerhand huckepack und die gesamte Burgmannschaft konnte gerettet werden.

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Vom Glauberg bietet sich eine wunderschöne Aussicht

Zurück am Bahnhof führt der Limeswanderweg südöstlich Richtung Marköbel und führt durch einen kleinen, thematisch gut passenden Künstlerpfad, von dem ich euch im nächsten Artikel berichten werde.

Infos Keltenwelt Glauberg

  • Öffnungszeiten:

März bis Oktober, Dienstag bis Sonntag von 10 – 18 Uhr

November bis Februar, Dienstag bis Sonntag von 10 – 17 Uhr

  • Eintritt: Erwachsene 7 Euro, ermäßigt 5 Euro (Tipp: Kombikarte für 9 Euro ermöglicht den Eintritt in die Keltenwelt und in die nahegelegene Saalburg)
  • Verpflegung: Bistro im Erdgeschoss der Keltenwelt
  • Anfahrt mit den Öffentlichen: vom Frankfurter Hauptbahnhof mit der Niddertalbahn. Haltestelle Glauburg-Glauberg. Von dort führt ein 45-minütiger, ausgeschilderter Weg über Streuobstwiesen am Glauberg zur Keltenwelt.
  • Website: www.keltenwelt-glauberg.de
  • die Glauburg ist frei zugänglich

Quellen:

Informationstafeln auf dem Glauberg und im Keltenmuseum (www.keltenwelt-glauberg.de)

https://lfd.hessen.de/sites/lfd.hessen.de/files/Mat_29_Leseprobe_0.pdf

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Georgien Backpacking

Georgien Backpacking – neuer Guide

Was gibt es in Georgien zu sehen?

Georgien Backpacking eignet sich hervorragend zum Wandern. Mitten im Kaukasus locken noch völlig ursprüngliche und entlegene Gegenden, wie Swanetien zum Bergsteigen ein. Hier solltest du schnell zuschlagen bevor die Gegend völlig touristisch erschlossen und von Skiliften und Seilbahnen zerstört wird. Außerdem sollte eine Wanderung am Mount Kazbegi bei keiner Georgienreise fehlen.

Auch Kulturbegeisterte kommen beim Georgien Backpacking nicht zu kurz. Jahrunderte alte Klöster, Höhlensiedlungen und Burgen laden ein das Land zu entdecken. Ganz kurios ist ein schwäbisches Dorf mitten in Georgien, das Stalinmuseum in Gori oder die völlig verrosteten, aber immerhin funktionsfähigen Seilgondeln der Bergarbeitersiedlung Chiatura.

Georgien Backpacking
Eine Wanderung am Mount Kazbegi ist einfach unbeschreiblich

Richtig abschalten kannst du in Batumi, den beliebtesten Badeort Georgiens. Nachts hingegen erwacht Batumi zum leben und Stranddiscos laden zum feiern ein.

Georgien Backpacking eignet sich sogar für Weinliebhaber . Kachetien und Imeretien sind nicht nur landschaftlich und kulturell interessant, sondern bieten auch die Gelegenheit das ein oder andere Glas Wein zu verkosten. Die schönste Stadt Georgiens ist zweifellos Signaghi wegen seiner romantischen Lage und einer umlaufenden Stadtmauer gerne von Hochzeitspaaren aus alllen Landesteilen aufgesucht.

Du siehtst Georgien ist unglaublich vielfältig und hat jedem etwas zu bieten.

Georgien Backpacking
Signaghi ist ein Paradies auf Erden. Ein mittelalterlicher Ortskern, zahlreiche Weinlokale und dazu noch ein unvergleichlicher Ausblick locken

Einreise:

Für die Einreise nach Georgien wird jediglich ein 6 Monate gültiger Personalausweis oder Reisepass benötigt. Es fallen keine weiteren Kosten an.

Flüge

Günstige Direktflüge starten von Memmingen, Dortmund oder Berlin nach Kutaissi. Flüge in die Hauptstadt Tiflis (Tiblisi) sind oft teurer.

Grenzübertritt

Georgien ist von Armenien, Aserbaidschan und Russland (über die sehr reizvolle Georgische Heerstraße) problemlos zu erreichen. Schwieriger gestaltet sich eine Ausreise über die international nicht anerkannten, abtrünnigen Provinzen Abachasien und Südossetien. Zwar kann die Grenze passiert werden, du solltest jedoch darauf achten wieder auf dem selben Weg zurückzukommen, da eine Ausreise über Russland als illegaler Grenzübertritt gewertet wird und dich bei einer erneuten Einreise in Georgien in ernsthafte Schwierigkeiten bringen könnte.

Georgien Backpacking
Georgien lockt auch mit einer reichen Kultur und Jahrhunderte alten Kirchen und Festungen


Unterkünfte:

Privatzimmer:

Die weitverbreiteste und beste Möglichkeit günstig in Georgien zu übernachten sind Privatzimmer. Sie kosten zwischen 10 € und 15 € ohne Frühstück.

Hostel:

Gibt es nur in größeren Städten, wie Tiflis, Kutaissi, Batumi oder Bordschormi. Dafür aber sehr zahlreich. Für 5 – 10 € für einen Schlafsaal etwas günstiger als ein Privatzimmer.

Georgien Backpacking
Privatzimmer in einer Berghütte in Swanetien

Geld

Georgiens Währung ist der Lari. 1 Euro entspricht dabei ungefähr 3 Lari. Mit 20 – 25 Euro Reisebuget musst du auf nichts verzichten in Georgien. Gründsätzlich lässt sich sagen, dass alle Preise 1/3 von dem entsprechen, was du in Deutschland bezahlen würdest. Das macht Georgien Backpacking unglaublich günstig ohne aber auf die westlichen Annehmlichkeiten, wie moderne Cafes, Nachtleben oder das Glas Wein verzichten zu müssen.

Zudem sind Kirchen und Burgruinen frei zugänglich und nur wenige Sehenswürdigkeiten verlangen einen Eintritt. Etwas ärgerlich ist der „Eintrittspreis nur für Ausländer“ in den bestbesuchten Discos in Batumi, es gelang uns aber ein paarmal uns unter die Georgier zu mischen und umsonst hineinzukommen.

Sicherheit:

Georgien ist ein sehr sicheres Reiseland und fühlten uns Tags wie Nachts sehr wohl auf den Straßen.

Polizei:

Auch mit der Polizei sind wir während unserer Reise nicht in Kontakt gekommen.

Verhaltensregeln:

Der Lebenstil der Georgier entspricht im wesentlichen unseren westlichen Verhaltensregeln.

Transport:

Maschrutkas:

Es gibt keine Busse in Georgien um von A nach B zu kommen. Nur kleine Minivans, sogenannte Marschrutkas, die mit sehr engen Sitzplätzen augestattet sind um möglichst vielen Reisenden einen Platz zu bieten.

Das Ziel ist durch einen kleinen beschriebenen Pappkarton an der Frontscheibe ausgewiesen. Bei Schwierigkeiten auf den chaotischen Busbahnhöfen helfen die Georgier gerne weiter.

Meistens fahren sie erst ab, wenn alle Plätze gefüllt sind. Gezahlt wird stets beim Verlassen des Wagens.

Georgien Backpacking
Der Marschrutka-Bahnhof von Batumi

Sammeltaxis

Das gleiche Prinzip gilt für Sammeltaxis nur dass fünf Sitzplätze meistens schneller voll sind und du weniger Zeit verlierst.

Züge:

Züge sind zwar das billigste Transportmittel beim Georgien Backpacking, dafür aber langsam und fahren oft nur zweimal am Tag. Auch eine Klimaanlage fehlt vielen Waggons, sodass es sehr stickig ist.

Georgien Backpacking
Züge in Georgien sind billig

Hitchhikking

Hitchhikking funktionierte für mich weniger einfach als im Iran und Armenien. Reist du als Mann mit einer weiblichen Begleitung hast du oft bessere Chancen, solltest dich aber beim Anhalten der Autos im Hintergrund halten.

Land & Leute

Die Georgier sind sehr freundlich und hilfsbereit. Im Gegensatz zu den Armeniern und Iranern hatte ich jedoch den Eindruck, dass sie schneller ihr Interesse verlieren, sobald sie bemerken, dass du nicht ihre Sprache sprichst. Das die wenigsten Georgier Englisch sprechen wäre es also sehr vorteilhaft einige Begriffe auf russisch oder georgisch vor Reiseantritt parat zu haben um das Eis zu brechen.

Georgien Backpacking
Verrückt! Die alten Gondeln aus der Sowjetära in der Bergarbeiterstadt Chiatura werden immer noch genutzt um von A nach B zu kommen

Essen

Die Georgische Küche ist sehr herzhaft und du wirst bei all den köstlichen Gerichten definitiv zunehmen. Im einzelnen möchte ich euch die wichtigsten Leckerbissen der georgischen Küche vorstellen.

Puri:

ein ähnlich wie in Armenien und Iran an der Innenseite einer heißen Tonofenwand gebackenes Fladenbrot

Sulguni:

Georgiens bekanntester Käse, er ist bestandteil fast jeder Mahlzeit und wird zum Frühstück, wie Abenbrot gereicht. Er wird aus Kuhmilch hergestellt und für die Reife wird er in Salzlake eingelegt.

Georgien Backpacking
Abendessen in Georgien mit Puri und Sulguni-Käse

Khachapuri

Ist der Edelsnack schlechthin! Von Kachapuri gibt es eine unglaubliche Vielzahl an Varianten, so vering mir niemals die Lust auf Khachapuri! Allen gemeinsam ist jedoch eine große Menge an geschmolzenen Käse als Zutat. Du kannst Khachapuri sowohl im Imbiss, als auch in einem Lokal kaufen.

Khachapuri Imeruli

Der Standardkhachapuri sieht aus wie eine Pizza, der geschmolzene Käse verbrigt sich im inneren des Khachapuris. Für einen wirklich guten Khachapuri mit viel Käse sollte man 6 Lari (2 €) ausgeben.

Khachapuri Megruli

Hier wird Sulguni Käse verwendet und zwar nicht nur im Inneren sondern auch noch oben darauf kommt eine extra Portion. Sozusagen ein Doppeldecker.

Khachapuri Atscharuli

Aus der Region Adscharien ist für mich die leckerste Khachapuri-Variante. Hierbei wird aus dem Teig ein Schiffchen geformt, dieses dick mit Käse gefüllt. Dann wird in der Mitte ein kleiner Krater geformt in das ein Spiegelei und viel Butter gelegt wird. Für eine Standarprotion (6 Lari) solltest du schon einen großen Hunger mitnehmen, dieser Khachapuri sieht zwar klein aus hat es aber in sich.

Lobiani

Ist die vegane alternative zu Khachapuri. Statt Käse befinden sich passierte Bohnen im Teig. (4 Lari)

Chinkali

Chinkalis sind gefülllte Teigtaschen, die wie eine Knoblauchknolle aussehen. Sie werden in Salzwasser gekocht. Die Anzahl der Falten ist dabei ein untrügliches Qualtiätsmerkmal, denn je mehr Falten der Chinkali hat desto mehr Flüssigkeit sammelt sich darin.

Gefüllt werden Chinkalis in Verschiedenen Varianten mit Kartoffeln, Pilzen, Rind- und Schweinefleisch. Prinzipell sind der Phatansie der Köche aber keine Grenzen gesetzt.

Traditionell isst man Chinkalis mit der Hand. Du packst sie dabei am besten am Stil und beisst beherzt unten ab. Das Essen eines Chinkalis mit der Hand erfordert etwas Übung und zu anfangs besudelte ich mich einige Male mit der dampfend, heissen Flüssigkeit im Inneren der Taschen. Der Stil ist meistens etwas hart, weshalb man ihn wieder auf den Teller zurücklegt.

Es gibt spezielle Gaststätten nur für Chinkalis, ein sehr Gutes ist das El Depo und befindet sich in Kutaissi in der Joseb-Grishashvili-Straße 10 in der Nähe der Tetri Brücke. (1Chinklai kostet um die 0,70 Lari)

Georgien Backpacking
Dampfend köstliche Chinkali in einem Gasthaus in Kutaissi

Tschurtschchela

Sind in jedem Markt Georgiens zu finden und sollten nicht mit Würsten verwechselt werden, denn tastächlich handelt es sich um Nüsse die an einer Schnur aufgefädelt werden und anschließen in einem mit Mehl verdickten Traubensaft getaucht und anschließend wie Würste zum Trocknen aufgehangen werden.

Tschurtschchela sind halbar, gut zu transportiern und der ideale Energielieferant für lange Trekkingtouren ür 1 Euro. Du solltest dir unbedingt welche mitnehmen bevor du nach Swanetien zum Wandern aufbrichst, denn dort sind sie ausgerechnet nirgends zu finden.

Frische, weiche Tschurtschchela schmecken am besten. Ältere werden oft hart und zäh. Die Farben reichen von gelb, grün bis orange oder rot und haben nichts mit dem Geschmack zu tun.

Georgien Backpacking
Tschurtschchela ist ein energiereicher Snack, aufgehangen wie Würste

Fazit: Georgien Backpacking bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Aktivitäten. Die herzhafte Küche und der Wein machen Georgien Backpacking auch zu einem kulinarischen Erlebnis und die Menschen sind freundlich und hilfsbereit. Georgien ist sehr günstig, es fallen keinen Visumsgebühren an, selten wird Eintritt zu den Sehenswürdigkeiten verlangt und die Flüge sind preiswert. Also worauf wartest du? Starte dein Georgien Backpacking Abenteuer!


Limes in der Wetterau

Der Limes in der Wetterau

Wie enstand der Limes in der Wetterau? Die Böden der Wetterau waren schon seit jeher sehr fruchtbar und wurden bereits in der Jungsteinzeit landwirtschaftlich genutzt. Zurzeit der römischen Herrschaft war dort der germanische Stamm der Chatten ansässig, welcher für Rom eine ständige Bedrohung darstellte. So kämpften sie 9 n. Chr. in der Varrusschlacht und waren 69 n. Chr. am Bataveraufstand beteiligt. Unter Kaiser Domitian wurden die Chatten in zwei Kriegen (83-85 n. Chr.) schließlich besiegt und der römische Herrscher erkannte den Wert der Wetterau. Um sie zu schützen macht der Limes in der Wetterau einen extra Bogen beginnend vom Kastell Kapersburg bis Großkrotzenburg am Main.

Kapersburg

Vom Parkplatz der Saalburg aus führte uns der Limesweg über eine Fußgängerbrücke durch Buchenwälder. Schließlich erreichten wir die Kapersburg, eine der am besten erhaltenen Limeskastelle. Es wurde vermutlich unter Kaiser Trajan (98 – 117 n. Chr.) zunächst aus Holz und Erde errichtet und später durch Stein ersetzt.

Als Besonderheit kannst du hier noch einen Brunnen entdecken. Die schlechte Wasserversorgung dürfte auch der Grund gewesen sein warum, das nur 700 Meter entfernte Kastell Ockstadt aufgegeben wurde. In der Kapersburg fanden 150 Mann eines Hilfstruppenverbands aus Nida platz.

Mitte des 3. Jahrhunderts wurde das Kastell plötzlich verkleinert. Vermutlich wurde ein Teil der ursprünglichen Truppe abgezogen und jediglich der nordöstliche Teil des Kastells wurde weitergenutzt.

Limes in der Wetterau
Limeskastell Kapersburg

Limesturm auf dem Gaulskopf

Kurz vor dem Etappenziel Ziegenberg, befindet sich auf dem Gaulskopf der bereits 1926 auf Iniatitive von Gustav Oberlaender rekonstruierte Wachturm WP 4/16.

Ein Limesturm diente der Überwachung des Geländes. Im Erdgeschoss befanden sich die Vorräte. Über eine hochziebare Leiter konnte man die zweite Etage erreichen. Hier befanden sich Betten, Geschirr und weitere Ausrüstung. Der dritte Stock war mit einer hölzernen Balustrade umgeben. Von hier aus konnte die Besatzung, bestehend aus zwei bis fünf Mann pro Turm, Flaggen- oder Feuersignale geben um die umliegenden Türme und Kastelle zu warnen.

Limes in der Wetterau

Die Türme auf dem Limes in der Wetterau befanden sich darum meist in erhöhter Position. Limeskastelle in den Tälern, denn so hatten die Türme nicht nur Sichtverbindung zueinander, sondern die Kastellbesatzung hatte auch die Türme in den Bergen im Blick.

Der rekonstruierte Turm ist frei begehbar und mit einer schönen Aussicht konnten wir um eine Unterkunft in Ziegenbach kümmern.

Limes in der Wetterau

Butzbach

Als wir am nächsten Tag aufwachten staunten wir nicht schlecht. Es hatte doch tatsächlich über Nacht noch einmal auf dem Limes in der Wetterau geschneit. Es half nichts, im März mussten wir auch damit rechnen und aufgeben gilt nicht. Zunächst noch geschützt durch Wald betraten wir bald die Ackerflächen der Wetterau. Eisigkalt zog uns hier der Wind um die Ohren, ob die Wetterau wohl ihren Namen von Unwetter erhielt?

Limes in der Wetterau
Die Pferde hatten noch ein dickes Winterfell, wir hingegen waren auf den Schnee nicht so gut vorbereitet

Alsbald erreichten wir, auf dem Limes in der Wetterau, die Stadt Butzbach. Das hier gelegene Stadtmuseum hat eine zwar kleine aber sehr informative Römerabteilung. Weitere Higlights sind die Sammlung der Miniaturschuhe von Richard Fenchel, sowie ein alter immer noch funktionstüchtiger Spielautomat auf dem uns die Museumsangestellte zum Abschied ein Lied vorspielte.

Limes in der Wetterau

Öffnungszeiten:

  • Montag – Freitag: 14 – 17 Uhr
  • Samstag/Sonntags 10 -12 und 14 – 17 Uhr

Eintrittspreise:

  • Erwachsene: 3 Euro
  • Ermäßigt: 2 Euro

Website: www.stadt-butzbach.de/kultur/museum/

Pohlheim

Nachdem ich mich wieder alleine auf den Weg entlang des Limes in der Wetterau machte, ging es weiter vorbei an Langgöns bis Pohlheim. Dort konnte ich noch sehr gut den augeschütteten Erdwall erkennen. Am nördlichsten Punkt des Limes in der Wetterau befindet sich ein weiterer rekonstruierter Limesturm und dort beginnt auch ein kleiner Rundgang.
Weitere Informationen zum Rundgang unter www.limes-pohlheim.de

Limes in der Wetterau
Limesturm bei Pohlheim, der Erdwall ist immer noch gut erkennbar

Kloster Arnsburg

Das Kloster wurde direkt auf dem Gebiet des Limes in der Wetterau gegründet. 1174 überließ Kuno I. von Münzenberg den Benediktinermöchen das Gelände rund um das Kastell Arnsburg-Alteburg zum Bau eines Klosters. Da diese in 20 Jahren jediglich den Ostteil der Kirche fertigstellten, übergab er es schließlich den Zisterziensern.

Nach einer langen Blütezeit, bis zu 200 Mönche lebten im Kloster, litten schließlich auch die Zisterzienser in Arnsburg unter der Pest und mehreren Fehden. Nach dem 30-jährigen-Krieg war das Kloster nicht wieder zu erkennen. Wertvolles Mobiliär, Bücher und Kirchenschmuck waren geraubt. Bauerei, Mühle und Kirche in ruinösem Zustand und nur noch 10 Mönche waren im Kloster geblieben.

Limes in der Wetterau
Die Kirchenruine des Klosters Arnsburg

Erst 1672 konnte wieder ein Gottesdienst gefeiert werden, der Kreuzgang wurde wiederhergestellt und 35 Mönche lebten nunmehr im Kloster. Im 18. Jahrhundert kamen zahlreiche Neubauten hinzu. Mit der Herrschaft Napoleons endete jedoch diese zweite Blütezeit und das Arnsburg wurde aufgelöst und leider wurde es infolgedessen als Steinbruch für den Bau anderer Kirchen genutzt, weshalb die einst prächtige Kirche heute nur noch eine Ruine ist.

Im ehemaligen Kreuzgang sind über 450 Opfer des Zweiten Weltkriegs beerdigt. Hier befinden sich Gefallene Soldaten gleichermaßen wie ermordete Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus den Landkreisen Gießen, Arnsburg und Bündingen.

Limes in der Wetterau
Im ehemaligen Kreuzgang des Klosters Arnsburg befindet sich ein Friedhof für die Opfer des Zweiten Weltkrieges

Gegen eine kleine Gebühr, zum Erhalt der Gebäude, konnte ich die Kirchenruine besuchen. Zum größten Teil sind noch die Kirchenschiffe und ein kleiner Teil der Türme erhalten. Trotzdem beeidruckte mich die Kirche immer noch und erinnerte mich an die mystische Glastonbury Abbey.

Website: www.kloster-arnsburg.de

Limes in der Wetterau
Die Kirchenruine des Klosters Arnsburg

Münzenberg

Von Arnsburg empfiehlt sich auch ein Abstecher zur Burg Münzenberg, wegen seiner hochaufragenden Türme auch „Wetterauer Tintenfass“ genannt.

Wie auch der Limes Jahrhunderte zuvor sollte auch die Burg auf dem Münzenberg die fruchtbare Wetterau sichern. Dieses Mal waren es die deutschen Kaiser aus dem Geschlecht der Staufer, die die Wetterau für sich beanspruchten. Der eng mit dem Kaiserhaus verbundene Reichsministeriale Conrad II von Hagen-Arnsburg erhielt im Tausch mit dem Kloster Fulda den Münzenberg, von dem man die gesammte Wetterau überblicken konnte und errichtete für seinen Lehnsherrn Kaiser Konrad III. eine mächtige Burg.

Limes in der Wetterau
noch gut zu erkennen sind die großen ursprünglichen Zinnen in einer anderen Steinfarbe

Zum ursprünglichen Bau gehören der innere Ringwall, aus für die Stauferzeit typischen hervorspringenden Buckelquader. Der große, begehbare Bergfried, der Palas, Kapelle und Küche.

Dass ihr Erbauer viel Einfluss hatte, davon zeugen die einst mächtigen Zinnen und ihre Lücken sind so breit, dass der Feind hindurchschießen konnte, man wollte aber von weitem seine Stärke demonstrieren. Denn die Zinnenbauweise war damals etwas ganz Neuartiges und wer sich solch große Zinnen leisten konnte, der muss jedenfalls sehr reich und mächtig gewesen sein.

Weiterhin typisch in den Stauferburgen sind eingekratzte Rillen an jedem Burgtor, deren Funktion aber weiterhin ein Rätsel bleibt.

Während einige Zierelemete des repräsentativen Palas und dem Feind zugewandte Seite aus teurem Sandstein errichtet wurde, besteht der Bergfried lediglich aus einem einfachen, lokalen Stein. Er war jedoch wichtigster Bestandteil einer Burg, denn er allein gab dem Burgherrn das Besitzrecht und die damit einhergehenden Burgrechte.

Limes in der Wetterau
Küche, Kapelle und Palas

Dies wurde 1255 ein Problem als Ulrich II. von Münzenberg kinderlos starb. Fortan stritten sich die Erben um das mächtige Lehen, das sogar das Recht besaß eigene Münzen zu prägen. Als Sieger gingen schließlich die Falkensteiner hervor. Sie besaßen 5/6 der Burg. Den wichtigsten Teil und damit den Bergfried besaßen jedoch die Hanauer.

So kam es, dass die Falkensteiner kurzerhand einen eigenen Bergfried bauten und somit die Münzenburg ganz ungewöhnlich über zwei große Türme besitzt.

Um 1500 wurde die Burg nochmals modernisiert mit einen Batallionturm, weiteren Toren und Schießscharten für Musketen. Auch die Zinnen wurden verkleinert. Einen Ansturm des Heeres von Graf Wallenstein im 30-jährigen-Krieg konnte sie jedoch nicht mehr standhalten und die Burg wurde aufgegeben.

Limes in der Wetterau
Nur wer den Bergfried besaß, dem gehörten auch die Burgrechte

Für mich war der Besuch der Burgruine sehr beeindruckend! Ich konnte viel entdecken und die meisten Teile der Burg, wie innerer Ringwall, Palas, Küche, Kapelle sind frei begehbar. Von der Spitze des Bergfriedes hatte ich eine wunderschöne Aussicht auf die Wetterau und ich konnte den Voglesberg, sowie die Hochhäuser Frankfurts erkennen!

Auch die Burgführung war sehr informativ!

Eintritt: Erwachsene 3,50 Euro, ermäßigt 2,00 Euro

Führung: jeden Sonntag 12:00 Uhr bzw. 15:00 Uhr

Öffnungszeiten: Varieren je nach Jahreszeit

Webseite: www.muenzenberg.de/tourismus

Limes in der Wetterau
Turmblick auf die Wetterau


Quellen Stand 08.04.2019:

  • https://taunus.info/angebote/kultur-und-geschichte/kelten-und-roemer/kastell-kapersburg/3090/
  • Infoschilder
  • www.muenzenberg.de/tourismus + Burgführung
  • www.kloster-arnsburg.de

Biryani aus Pakistan

Biryani aus Pakistan

Für jeden Pakistaner ist Biryani aus Pakistan das Nationalgericht seinens geliebten Landes, aber es es ist über ganz Südasien verbreitet. Die Zutaten scheinen zunächst einfach: Hühnchenfleisch, Reis, Zwiebeln. Erst die besondere Zubereitung und eine ausgewogene Zubabe an Gewürzen machen ein Biryani aus Pakistan besonders.

Legenden:

Wie ich schon einmal in meinem Artikel über die Küche Pakistans erwähnt hatte, gibt es Tausende Biryani-Variationen. So mag es vielleicht nicht verwundern, dass sich auch ebenso viele Legenden über seine Enstehung ranken. Die zwei Bekanntesten möchte ich euch vorstellen.

  1. Laut dieser Legende soll Biryani mit dem Heer des mächtigsten Herrscher der damaligen Zeit gekommen sein: Timur Lenk. Im 14. Jahrhundert herrschte er über ein Reich das von Damaskus bis Dehli reichte. Das Biryani so die Legende soll seinem Heer Kraft und Stärke gegeben haben, sodass sie von Sieg zu Sieg eilten und Biryani schließlich bis nach Indien brachten.
  2. Die zweite Legende besagt, dass die liebevolle Königin Mumtaz Mahal, zu deren Ehren das Tahj Mahal errichtet wurde, ihren Mann auf einem Feldzug begleitete. Als die einfachen Soldaten besuchte, war sie traurig über den schlechten Zustand der tapferen Kämpfer im Heer. So ließ sie alle Experten des Landes zusammenkommen und ein einfaches Gericht zusammenstellen, dass alle Eigenschaften besaß, welche die Fitness und Kraft der Soldaten stärkten. Das Gericht war bei ihnen sehr beliebt und der Feldzug konnte erfolgreich abgeschlossen werden.
Laut einer Legende haben wir Mumtaz Mahal, der Frau Shah Jahans nicht nur das Tahj Mahal, sondern auch das köstliche Gericht Biryani zu verdanken

Wie auch immer das Wort Biryani stammt wohl vom persischen Wort „birian“ ab, was soviel wie „vor dem Kochen braten“ bedeutet, was es vom iranischen Polow unterscheidet. Ob das Gericht schon zur Herrschaftszeit Timur Lenks oder erst mit den Mogulherrschern vom perischen Teil ihres Reiches nach Indien und Pakistan kam lässt sich heute nicht mehr beweisen.

Der Name verrät eigentlich das Wichtigste bei der Zubereitung dieses Gerichts, die Zutaten werden zunächst angebraten, bevor sie anschließend in einen großen Topf geschichtet und schonend fertiggegart werden.

Besonders lecker schmeckt Biryani aus Pakistan in Lahore, wo es auf dem großen Markt zufinden ist. Ein besonderes Spektakel ist es bei der Zubereitung des Gerichts in den großen Garküchen zuzusehen. Es werden Massen an Zwiebeln geschält, eimerweise Reis gekocht und mit großen selbstgebastelten Kochlöffeln in großen über den offfenen Feuer stehenden Bottichen umgerührt.

Und hier hab ich das Rezept, das sich am Biriyani aus Hyderabad im pakistanischen Sindh orientiert, für euch nachgekocht. Dieses Biryani aus Pakistan zeichnet sich durch besondere Saftigkeit, einer gewissen Schärfe und zusätzlichen Kartoffeln aus.

Auf meiner kulinaischen Entdeckerreise durch Pakistan
Biryani ist das Nationalgericht Pakistans

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Zutaten

Für das Hähnchen und die Marinade

  • 4 Hähnchenschenkel
  • 1/4 Becher Joghurt
  • 2 rote Chili
  • 1 Teelöffel Ingwer
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Teelöffel Kanjenpfeffer
  • 1 Teelöffel Kreuzkümmel
  • 3/4 Teelöffel Kurkuma
  • 1-2 Zimtstangen
  • 5 Nelken
  • 1 Lorbeerblatt
  • 1 1/2 Teelöffel Piment
  • das innere zweier Kardamonkapseln (aus dem Asialaden)
Biryani aus Pakistan

Für den Reis

  • 1/2 Kreuzkümmel
  • 1 Lorbeerblatt
  • 6 schwarze Pfefferkörner
  • 4 Nelken
  • 4 Tassen Basmatireis

Für die Soße

  • Speiseöl
  • 5 Kartoffeln
  • 4 Zwiebeln
  • 4 – 5 Tomaten, püriert
  • 3/4 Becher Joghurt
  • 2 Teelöffel Chat Masala (aus dem Asialaden)
  • 4-5 Zweige frischer Koriander
  • 3-4 Zweige frische Minze
  • 5 rote Chili
Biryani aus Pakistan

Tipp: eine Prise Safran verleiht dem Gericht eine besondere Raffinesse.

Anmerkung zu den Zutaten:

Traditionell wird statt Speiseöl in Indien und Pakistan Ghee zum anbraten der Zutaten verwendet. Ghee ist Butterschmalz ohne Wasser und Milchzucker bzw. -eiweiße. Möchtest du es selbst herstellen kannst du normale Butter schmelzen und zum kochen bringen (achte jedoch darauf, dass sie nicht anbrennt ggf. Hitze reduzieren). Nun bildet sich ein weißer Schaum der abgeschöpft werden kann. Die restliche Goldgelbe, klare Flüssigkeit ist das reine Fett der Butter, dass als Ghee verwendet werden kann.

Chat Masala: Ist ein Gemisch verschiedener Zutaten und Gewürze, wie Mangopulver, Kreuzkümmel, Granatapfelsamen, Ingwer, schwarzem Salz, Koriander, schwazer Pfeffer, Paprika und Asant. Letzteres ist hierzulande auch als Teufelsdreck bekannt. Es ist eine in Indien und Pakistan weit verbreitete Gewürzmischung

Kardamonkapseln: Um an die kleinen schwarzen Samen zu gelangen musst du erst die grünen Kapsel knacken. Der Vorteil der Verwendung dieser Samen im Gegensatz zum Kardamongewürzpulver ist, dass die ätherischen Öle im Inneren, geschütz durch die Schale, erhalten bleiben und sie viel intensiver schmecken. Zu bekommen sind sie zusammen mit dem Chat Masala in jedem gut sortierten Asialaden.

Biryani aus Pakistan

Zubereitung:

Fazit

  1. Für die Marinade Joghurt in einer großen Schüssel vorlegen, Chilli sehr fein schneiden, Knoblauch und Ingwer durch eine Konblauchpresse über der Schüssel ausdrücken, übrige Zutaten und Gewürze dazugeben und miteinander vermischen.
  2. Hähnchenschenkel mit dieser Mischung einreiben und 20 Minuten beiseitestellen.
  3. Alle Zutaten in der Liste für den Reis, außer den Reis selbst in einem großen Topf zum Kochen bringen.
  4. Nun den Reis hinzugeben und zu 2/3 garkochen
  5. Den Reis in einem Sieb abtropfen lassen und beiseitestellen
  6. Für die Soße nun die Kartoffeln und Zwiebeln schälen Kartoffeln in grobe Ecken, Zwiebeln in dünne Ringe schneiden.
  7. In einer großen, tiefen Pfanne 1 Tasse Öl erhitzen und Kartoffeln goldbraun fritieren
  8. Kartoffelecken auf einen Teller mit Küchenkrepp legen und salzen
  9. Weiterin in der Pfanne Zwiebelringe knusprig, goldbraun fritieren und kontinuierlich umrühren damit nichts anbrennt
  10. Zwiebelringe auf einen weiteren Teller mit Küchenkrepp abtropfen lassen.
  11. Gebe nun die marinierten Hähnchenschenkel in die Pfanne und brate sie etwa 8 Minuten lang
  12. Gebe nun die pürierten Tomaten dazu und koche das ganze 10 – 15 unter rühren
  13. Gib den restlichen Joghurt dazu und koche alles nochmal auf
  14. Füge jetzt das Chat Masala, die Kartoffeln, den Koriander, die Minze und die Chillischoten hinzu und nimm den Topf von der Herdplatte
  15. Gebe 2 Esslöffel Speiseöl in einen großen, tiefen Topf
  16. Gebe 1/3 der Reismenge als erste Schicht in den Topf
  17. Platziere darüber die Hälfte des Hähnchens und der Soße aus Kartoffeln und Tomatenpürre
  18. Bedecke diese Schicht nochmals mit 1/3 Reis und gebe den Rest des Hähnchens und der Soße darauf
  19. Schließe diese Schicht mit dem Rest des Reises ab und gesprenkel diese mit Speiseöl
  20. Für mehr Raffinesse nimmm eine Tasse heißes Wasser und löse darin eine Prise Safran
  21. Verteile das Safran-Wassergemisch über den Reis
  22. Decke den Topf mit Alufolie ab und gare den Inhalt 15 – 20 Minuten lang mit geringer Hitze
  23. Durchmische die einzelnen Schichten nach dem Garen und serviere heiß

Hier nochmal alle wichtigen Schritte im Überblick!

Ich liebe Biryani aus Pakistan! Es ist das Paradegericht in Südasien schlechthin! Durch fein abgestimmte Zugabe der Gewürze Südasien und Persiens ist es gar schon ein multinationales Gericht, das immer wieder in den verschiedenen Kulturbereichen Indiens und Pakistans eine Veränderung erfahren hat. Biryani ist so vielfältig wie die Bevölkerung dieser Länder.

Biryani aus Pakistan ist ebenfalls kein schnell zu kochendes Gericht, sondern mehr ein Festessen für besondere Gästes des Hauses. Eine Vielzahl von For- und Zwischenschritten ist nötig! Möchtest du das Rezept auch gerne mal ausprobieren (es lohnt sich!), lade am besten deine Freunde ein und kocht gemeinsam (die Pakistaner machen das auch nicht anders). Das Gericht ist für 6-8 Personen ausgelegt.

Biryani aus Pakistan

Guten Appetit!

Quellen Stand 09.03.2019

  1. www.historyofbiryani.weebly.com
  2. www.petupankaj.com/pages/history-of-biryani
  3. www.awazepakistan.com/orings-history-biryani

römische Gericht Minutal Ex Praecoquis

Das römische Gericht – Minutal Ex Praecoquis

Im Museumscafe der Saalburg durfte ich auch das römische Gericht Minutal Ex Praecoquis (Schweinefrikasse mit Aprikosen) kosten. Das Originalrezept wurde erstmals von Marcus Gavius Apicus für die Nachwelt festgehalten. Da er aber keine Mengen in seinen Buch angab, sind mehre, verschiedene Varianten von Minutal Ex Praecoquis u. a. im Internet zu finden. Auf dessen Grundlagen ich mein eigenes Schweinefrikasse mit Aprikosen, welches mir am besten schmeckte, für euch zusammengestellt habe.

Minutal Ex Praecoquis

Das römische Gericht erinnert mehr an die Süß-Saure Küche Asiens. Dill und Minze sorgen für eine gute Verdaulichkeit und machen das Gericht leichter und die Aprikosen passten für mich erstaunlich gut zu dem Fleisch. In diesem Artikel möchte ich Minutal Ex Praecoquis für euch nachkochen und mehr über die „Römische Küche“ und deren Zutaten erzählen!

römische Gericht Minutal Ex Praecoquis

Was aßen die Römer?

Die meisten Bürger aßen hauptsächlich das römische Gericht Puls, ein einfacher Getreidebrei, der wahlweise mit Käse, Honig, Eier und selten Fleisch verfeinert wurde. Auch Erbsen, Linsen, Kohl und Lauch, sowie Birnen, Äpfel und Pflaumen aus dem heimischen Garten kamen auf den Tisch. Da es wegen der Brandgefahr verboten war in den römischen Mietshäusern ein Feuer zu machen, versorgten sich die Bürger großer Städte wie Rom üblicherweise in den zahlreichen Garküchen der Straßen.

Der reicheren Oberschicht standen sehr ausgefeilte Speisen zur Verfügung, wie Singvögel, Fisch oder ganz ausgefallen Flamingozungen. Viele davon verfasste der römische Schriftsteller, Feinschmecker und Lebemann Marcus Gavius Apicus, der Hauptverfasser des Kochbuchs „Dere coquinaria“ aus dem auch dieses Rezept stammte und als er  sein gesammtes Vermögen vom 100 Millionen Sesterzen in Gelagen verprasst hatte, nahm er sich schließlich das Leben.

Villa Rusticae in Hechingen-Stein

Esszimmer in der rekonstruierten Villa in Hechingen-Stein

Da die Oberschicht im Liegen speiste und sich mit einem Arm abstütze, war der Gebrauch von Messer und Gabel deutlich erschwert. So wurde das römische Gericht gleich in mundgerechten Stücken serviert und mit der Hand oder einem Löffel aufgenommen.

über die Zutaten:

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg

Rekonstruierte Römische Küche im Saalburgmuseum

Schweinefleisch

Wer eines im alten Rom besaß, der hatte wirklich Schwein gehabt! Schwein war beliebter als Rind und als reicher Römer, aß man, wie Hömopatix in Asterixband „die Lorbeeren des Cäsars“ nicht nur die Füße. Von Kopf (Nase) bis Fuß (Gebärmutter, Hoden) kam laut Plinius so gut wie alles in den Kochtopf! Apicus beschrieb sogar eine Mast bei der die Schweine mit Honigwein und getrockneten Feigen gefüttert wurden, um eine besonders wohlschmeckende Leber zu erhalten.

Olivenöl

Mit Olivenöl decken die Römer den größten Teil ihres Fettbedarfs. Am wertvollsten war das Öl aus den grünen Oliven, die man erntete, wenn die ersten Oliven bereits schwarz wurden. Bereits verdorbene Ware diente als billiges Lampenöl.

Ausperesst wurden die Oliven mithilfe von Steinmühlen mit einem senkrecht steheneden Mühlstein oder in Säcke verpackt und mittels Gewicht in Holzpressen (ähnlich einer Apfelsaftpresse oder einer alten Weinpresse) ausgedrückt.

Um das Öl von Fruchtwasser und anderen Grobteilchen zu reinigen wurde es in Wasserbecken geleitet. Da Öl bekanntlich leichter als Wasser ist, schwamm dies oben auf und musste nur noch abgeschöpft werden.

Honig

Da die Römer kein Wissen über die Zuckerherstellung besaßen und dieser teuer aus Indien und Persien importiert wurde, mussten die meisten Römer auf Honig oder eingekochten Traubensaft als Süßungsmittel für das römische Gericht zurückgreifen

römische Gericht Minutal Ex Praecoquis Honig

Mit solchen Klotzbeuten hielten die Römer ihre Bienenvölker (Römerturm Hillscheid)

Wein

Bekanntlich waren es auch die Römer die den Wein nach Germanien brachten und dieser war den Einheimischen durchaus bekannt und begehrtes Handelsgut, doch erst mit der Eroberung der germanischen Provinzen kam das Wissen über den Weinanbau nach Franken und in das Rheingebiet, wo dieser noch immer eine große Rolle spielt.

Mit der stetigen Vergrößerung des römischen Reiches und der Weinbauflächen wurde Wein zunehmend zu Alltagsgetränk, wie heutzutage etwa Cola oder Kaffee. Sogar Sklaven und Kinder bekamen Wein zu trinken, allerdings wurde dieser, anders als heute, stark mit Wasser etwa im Verhältnis 2:5 gemischt. Auch war es nicht unüblich den Wein mit Honig und verschiedenen Gewürzen zu vermischen.

Der Wein lagerte  in Amphoren aus Ton, erst nach und nach setzte sich das Holzfass (eine keltische Erfindung) von Gallien ausgehend im ganzen Reich durch und in Ländern wie Georgien und Armenien reift der Wein sogar bis heute größtenteils traditionell in Amphoren (den so genannten Kwewri)

Passum, der auch in diesem Rezept auftaucht, war ein besonders süßer Wein aus halb getrockneten Rosinen. Er entspricht in etwa den heutigen Dessertweinen, wie etwa Malaga.

römische Gericht Minutal Ex Praecoquis Wein

Den Wein brachten die Römer nach Germanien. (Zu sehen sind Weinreben am so genannten „Nassen Limes“ bei Klingenberg am Main)

Liquamen

Durfte in keiner römischen Küche fehlen. Wie Ingwer in der indischen oder Safran in der persischen Küche, so war Liquamen bei den Alten Römern das Salz in der Suppe. Dass die Römer alles verwerteten ist uns ja schon vom Schwein bekannt und so verwundert es kaum, dass Fischabfälle und -innereien die Grundzutat für diese Würzsauce waren.

Man salzte sie stark ein, damit das Gemisch nicht verdarb. In der Sonne wurde dann das ganze durch die enzymatischen Proteine u.a. aus den Fischmägen abegaubt, sodass eine graue, salzig und würzige Fischsuppe entstand.

Heuztutage könnte man diese am ehesten mit der Fischsauce aus der Thailändischen Küche vergleichen.

Minze

Öfters beschrieben wird die Poleiminze für das römisch Gericht. Da diese aber in Deutschland zu den gefährdeten Pflanzenarten zählt und aufgrund des hohen Pulegongehalts auch in größeren Mengen leberschädigend wirkt, griff ich lieber auf die in späterer Zeit aus einer Kreuzung entstandene überall erhältliche Pfefferminze zurück.

Dill

Besonderen Wert legten die Römer auf die leichte Verdaulichkeit ihrer Speisen und so setzte man viele Kräuter ein die diese fördern sollten, wie der Dill, dessen ätherischen Öle nicht nur den Magen halfen, sondern auf den Appetit anregten und beruhigend wirken. Zunächst heimisch im Mittelmeer und Vorderasien brachten ihn die Römer mit nach Germanien, wo er ein Bestandteil unserer Küche wurde.

Pfeffer

Wurde überwiegend aus Nordindien importiert

Aprikosen

Ursprünglich in Indien und Armenien verbreitet wurde auch diese süße Frucht von den Römern mitgebracht und taucht in diesem Fleischgericht auf und das mag zunächst ungewöhnlich klingen, wenn man aber bedenkt, dass die Römer weder Tomaten noch Kartoffeln als Beilagen kannten, dann mag es etwas mehr nachvollziehbar erscheinen und schmecken tut es auch!

Sehenswürdigkeiten im Hunzatal

Aprikosen stammten ursprünglich aus Indien und Armenien. Im Hunzatal (Pakistan) spielen sie heute noch eine wichtige Rolle

No Goes!

Das bei uns Germanen damals wie heute zu jeder Abendmahlzeit beliebte Butterbrot und die Halbe Bier kam den Römern keinesfalls auf den Tisch. Es war als „Barbarenessen“ verpönt. Doch nach und nach mussten sie das germanische Bier zu schätzten gelernt haben, wie die Überreste einer antiken Bierbrauerei in einer römischen Gutsvilla im schwäbischen Hechingen-Stein zeigen.

Rezept:

Zutatenliste:

Das römische Gericht - Minutal Ex Praecoquis

800 g ausgelöste Schweineschulter

3 Schalotten

2 EL Olivenöl

200 ml Weißwein

2 El Fisch- oder Sojasauce (Asiaabteilung)

Soße

1 TL grob gemahlener Pfeffer

1-2 Msp. gemahlener Kreuzkümmel

frische Minze

1 EL Honig

200-250 ml Passum

2-4 EL Essig

500 g Aprikosen (frisch oder aus der Dose)

Zubereitung

Das Fleisch

Fleisch in mundgerechte Würfel schneiden. Die Schalotten fein hacken.

Minutal Ex Praecoquis

Anbraten des Schweinefleisches

2 Esslöffel Olivenöl in einen Bräter oder eine Pfanne mit Deckel geben und das Fleisch für 4 – 5 Minuten auf allen Seiten scharf abraten. Nun die Schalotten dazugeben und glasig anbraten. Mit Wein ablöschen, 1-2 El Fischsauce dazugeben (bei Sojasoße etwas mehr) und Bräter/Pfanne mit Deckel schließen. Das Ganze 30 Minuten lang auf mittlerer Hitze schmoren lassen

Die Soße

Währendessen Minze und Dill fein Hacken. Zusammen mit Kreuzkümmel, Pfeffer, Honig und Malaga verrühren und mit Essig abschmecken. Mischung unter das Fleisch geben, verrühren und nochmals 15 Minuten weiterschmoren lassen.

römische Gericht Minutal Ex Praecoquisrömische Gericht Minutal Ex Praecoquis

Dann ca. 500 g Aprikosen (ich nehmen dazu gerne die aus der Dose) zum Fleisch geben dann aufkochen, Hitze reduzieren und weitere 15 köcheln lassen. Bei Bedarf Soße nochmals abschmecken.

römische Gericht Minutal Ex Praecoquis

Das fertige Gericht

Du  möchtest mehr über die „Römische Küche“ und deren Zutaten erfahren?

  • Auf der Seite www.antike-tischkultur.de erfährst du alles rund um Tischsitten, Garnitur, Kochgeräte und Nahrungsmittel, der großen Antiken Kulturen
  • Weiterführende Infos zur römischen Küche, einfachen römischen Rezepten und vor Allem Zutaten und deren Herkunft, sowie über den Limesabschnitt im hessischen Polheim findest du unter www.limes-pohlheim.de
  • Viele Orignialrezepte des Apicus, darunter auch das Schweinefrikasse mit Aprikosen findest du auf der Seite „Imperium Romanum

Quellen:

Internetseiten:

Am Polheimer Limes/Römische Küche – Römische Bepflanzungsmacht/Sabine Scheele/17.12.2018

 Antike Tischkultur/Römer/Lebensmittel – die Weinbereitung/Martin Weiß/17.12.2018

https://www.vinoa.de/wein-magazin/amphorenweine 

&       https://www.georgia-insight.eu/georgien/wein

Literatur: „Was Caesar am liebsten speiste“ / H. Juergen Fahrenkamp / area-Verlag / 2006

Abenteuer auf dem Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg

Heute geht die Wanderung nur ein kurzes Stück, denn gleich in der Nähe wartet das rekonstruierte Limeskastell Saalburg und der Hessenpark auf dich!

Kleinkastell Jagdhausen

Vom Hotel Sandplacken führte der Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg dem Zeichen entlang erstmal geradeaus in den  Wald. Kurz darauf weist ein Schild rechts zum Kleinkastell Jagdhaus. Seinen Namen erhielt es von dem Mauerresten eines im 16. Jhdt. errichteten Steinhauses. Der Rest stammt aus Mitte des 2 Jhdt. 20-30 Mann kontrollierten hier eine Passstraße. Das Kastell „Kleiner Feldberg“ stellte vermutlich die Besatzung.

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg

Das Kleinkastell Jagdhausen am frühen Morgen

Kleinkastell Heidenstock

Links geht es nun wieder weiter auf den eigentlichen Weg, der nun immer geradaus führt. Der Limes ist hier nun sehr gut sichtbar. Ein weitere Befestigungsanlage auf dem Weg ist das Kleinkastell Heidenstock. Die Mauerreste sind noch sehr gut sichtbar. Eine Aussparung im Wall scheint auf einen Grenzübergang hinzudeuten. Weiter den Weg folgend gelangst du schließlich zur Saalburg

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg

Der Grenzübergang am Kleinkastell Heidenstock

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg

Die Saalburg

Nah An der A5 gelegen bietet dir dieses Museum ein einzigartiges Erlebnis auf dem Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg. Anfang des 20 Jhdt. wurde das Kastell vom Architekten und Altertumsforscher auf geheiß Kaiser Wilhelms II. wiedererichtet. Die Überreste der ausgegrabenen Saalburg, die dabei als Vorbild dienten liegen vor den Toren des Kastells. Im Inneren gewinnst du eine sehr gute Vorstellung, wie die damaligen Offiziers-, Stabs-, und Kasernengebäude ausgesehen haben! Nur wusste man damals noch nicht, dass die Römer die errichteten Bruchsteinmauern nochmals verputzten und dann bemalten. Dies sollte von Weitem den Eindruck erwecken, dass die Mauern aus echten Steinquadern errichtet wurden, um bei den Germanen Eindruck zu wecken!

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg

Am frühen Morgen lag die Saalburg noch in einem mystischem, trüben Nebel

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg

archäologische Fundstücke in der Saalburg

Im Horreum, dem erste Gebäude, wenn du das Kastell betrittst, gibt es eine sehr sehenswerte Ausstellung zu verschiedenen Fundstücken am Limes. Von einigen war ich selbst sehr erstaunt, wie wenig sie sich im Laufe der Jahrhunderte geändert haben, wie zum Beispiel die römische Schuhmode, die überraschend modern wirkt! Oder das Schanzwerkzeug mit dem die preussische Armee im 19 Jhdt.  Versuche durchgeführt hatte und herrausfand, dass es besser funktionierte als ihr eigenes!

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg

Weiter geradeaus im Principia befindet sich im Hof links eine Ausstellung mit Funden aus der Bronze- und Keltenzeit. Mit Gesichtern verzierte Gefäße sollten den Inhalt vor Verderben oder Diebstahl schützen. Ob das half? Weiter geradeaus stößt du auf eine Ausstellung mit allem Wissenswertem zur Römerzeit und das Fahnenheiligtum, dem Herzstück eines jeden Limeskastells. Seine Fahne im Kampf zu verlieren galt den Römern als ehrlos, sie musste bis auf das Blut verteidigt werden!

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg

Moderne Zeiten?

Rechts vom Principa befindet sich die Fabrica. Hier kannst du dir einen schönen Film über die zeitliche Entstehung und Aufgabe des Limes ansehen. Oder dir beim Mühlespiel, welches die Römer erfunden haben, die Zeit vertreiben. Eine Ausstellung über Römisches Handwerk und Essen runden den Besuch ab. Und auch hier staunte ich wieder modern alles erscheint. Die Römer hatten schon erste Drechselmaschinen und auch die Küche, süß-sauer und mit Kräutern leichtverdaulich gemacht, ist wieder im Kommen.

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg

Die Römer legten größten Wert auf die leichte Verdaulichkeit ihrer Gerichte

Römisch Speisen im Museumscafe

Von der Fabrica aus geht der Weg zurück zu 2 langestreckten Gebäuden, den Centuriae. Hier schliefen die Soldaten. Ein Raum im ersten Gebäude zeigt ein typischen Schlafraum. Im zweitem Gebäude findest du ein Cafe. Dort kannst du dich selbst von den Kochfertigkeiten der antiken Römer überzeugen lassen. Was darf es sein auf dem Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg? Etwas Schweineragout mit Aprikosen, Hähnchen nach Art der Parther oder Gebratene Champignions in Honig karamellisiert.Was so abenteuerlich klingt ist ausgesprochen fein abgestimmt und hat mir und meinen Freunden vorzüglich geschmeckt!

Limeswanderweg-Abschnitt SaalburgLimeswanderweg-Abschnitt Saalburg

Nach einem schönen Tag in der Saalburg gings für mich etwas abseits vom Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg weiter nach Obernhain, dort gibt es Schlafmöglichkeiten und den Hessenpark!

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg

Mehr über die Saalburg erfährst du auf http://www.saalburgmuseum.de/

Hessenpark

Hier machst du  abseits vom Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg eine Zeitreise in eine Welt mit kleinen Kramerläden, Schmieden, Windmühlen und idyllischen Fachwerkhäuschen. Das Museum hat viele alte Gebäude und Kirchen, die der Moderne weichen mussten, vor dem Abriss bewahrt und ihnen hier eine zweite Heimat gegeben. Außerdem wird ein toller Einblick in die verschiedenen teils fast ausgestorbener und immer noch existierender Handwerksberufe, wie Seiler, Korbmacher, Schmied, Friseur, Müller etc. gegeben. Manchen kannst du sogar in Schauvorführungen bei der Tätigkeit zusehen. Ebenso werden alte Tierrassen und Pflanzensorten gehalten bzw. kultiviert um diese für die Nachwelt zu erhalten.

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg

Das Innere einer alten Schmiede im Hessenpark

Meine persönlichen Hilglights möchte ich euch gerne vorstellen:

Marktplatz

Auf dem Martplatz stehen aus ganz Hessen zusammengetragene alte Häuser. Hier befinden sich die verschiedenen Serviceeintrichtungen des Museum, eine Austellung über Funktechnik, alten Fotos, Gusseisen und das Bierbrauen.

Auch für das Leibliche Wohl ist auf dem Marktplatz bestens gesorgt. In der Bäckerei findest du köstliche Brotspezialitäten von Hand gemacht. Für den größeren Hunger kannst du im Gasthaus Adler gutbürgerliche, hessische Gerichte kosten und im Hotel Hessenpark gibt es etwas für jeden Freund der Gehobeneren Küche.

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg

Turmuhrmuseum

Das Haus aus Laubach aus dem Jahre 1666 beherbergt eine ganz besondere Ausstellung. Ein privater Sammler vererbte seine Turmuhren aus dem 19. und 20. Jahrhundert dem Museum. Betrittst du das Gebäude erwartet dich das rythmische Tick Tack der Zahnräder und Pendel.

Limeswanderweg-Abschnitt SaalburgLimeswanderweg-Abschnitt Saalburg hessenparkLimeswanderweg-Abschnitt Saalburg hessenpark

Schule

Im Bereich Mittelhessen wurde in dem Haus aus Frickenhofen eine historische Schule eingerichtet. Tatsächlich wurde das Untergeschoss des  1746/47 erbauten Gebäudes zeitweise als Schule genutzt, während sich im Obergeschoss immer noch das Bürgermeisterbüro befand. 1842 fanden bis zu 123 Schüler platz, 1913 reichte auch dieser Raum nicht mehr aus und ein neues Schulgebäude musste gebaut werden. In der Folgezeit verfiel das Haus zunehmend, ehe es 1968 dem Straßenbau weichen musste und hierhergebracht wurde.

Es findet von Zeit zu Zeit ein Vorführungsunterricht statt, bei dem Kinder und Erwachsene nachempfinden können, wie der Unterricht anno 1910 ausgesehen haben mag.

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg hessenpark

Kirche

Gleich daneben befindet sich die Kirche aus Niederhörlen und wurde 1656-1658 erbaut. Im Inneren zeigt eine von marmorierten Holzstreben gestützte Empore barocke Bildnisse von Evangelisten und Aposteln sowie Szenen aus dem Leben Jesu.

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg hessenpark

Schule und Kirche von Außen

Dir wird  auffallen, dass sie sehr viel Platz einnimmt und auch die Sitzbänke in sehr engen Abstand zueinander stehen und tatsächlich gab es Beschwerden darüber, sodass ab 1950 – 1960 die Gottesdienste in ein anderes Gebäude verlegt wurden und ein neuer Krichenbau geplant wurde. Seit 1974 befindet sie sich im Besitz des Museums.

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg hessenpark

Kirche von Innen

Windmühlen

Das Museum besitzt auch zwei Windmühlen. Eine ältere Bockwindmühle und eine neuere Holländerwindmühle. Letztere stammt aus dem Jahre 1822, kommt aus dem schleßwig-holsteinischen Borsfleth und steht stellvertretend für die hessischen Mühlen dieser Zeit. In ihr finden auch regelmäßig Mahlvorführungen statt. Die 12 m langen Mühlflügel waren ursprünglich mit Segeltuch bespannt und auch wie beim Segeln mussten diese bei zu starken Wind gerafft werden, damit die Flügel nicht zu schnell drehten und abrissen. Dies war sehr gefährlich, denn der Müller musste dazu ungesichert die Flügel hochklettern.

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg hessenpark

Die Holländermühle vom anderen Seeufer

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg hessenparkLimeswanderweg-Abschnitt Saalburg hessenpark

Die Bockwindmühle ist eine der ältesten Mühlentypen Europas. Sie wird so genannt, weil die ganze Windmühle mithilfe eines Auslegerbaums (aufgebockt) im Wind gedreht wurde, im Gegensatz dazu musste bei Holländerwindmühle nur der obere Teil an dem der Flügel befestigt ist „Kappe“ gedreht werden. Da es schwieriger und kraftraubender war die gesamte Mühle zu drehen, konnte mit diesem alten Mühlentyp weniger schnell und damit häufig gemahlen werden.

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg hessenparkLimeswanderweg-Abschnitt Saalburg hessenpark

Die Bockwindmühle stammte aus dem Jahr 1869 aus dem niedersächsischen Peine und wurde von den Bauern im Nebenerwerb zum Mahlen ihres Getreides genutzt.

Natürlich war das bei Weitem noch nicht alles, was du im 65 km großem Hessenpark abseits vom Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg bestaunen kannst. Du hast Lust bekommen selbst einmal auf Entdeckertour zu gehen. Auf der Website des Museum gibt es weitere Informationen zu den einzelnen Häusern.

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg hessenpark

Weitere Informationen
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[caption id="attachment_1779" align="alignright" width="303"]Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg hessenpark Den Limeswanderweg gibt es schon sehr lange, wie diese alte Wegmarkierung zeigt

Quelle: Website und Infotafeln im Museum der Saalburg / Website Hessenpark

Dir hat mein Artikel über die Saalburg und den Hessenpark gefallen? Schau dir auch die teilrekonstruierte Villa in Hechingen – Stein an!

Limeswall wandern

Limeswall – Abenteuer – Wandern

Bald werde ich wieder auf dem Limeswanderweg den Limeswall entlangwandern. Falls du mehr wissen möchtest von der römischen Grenze die einst Deutschland schon einmal teilte, erfährst du hier allles Wichtige zu Weg und Wall!

Was ist der Limeswall?

Was wohl den wenigsten Deutschen bewusst ist, zur Zeit ders Römischen Reiches war Deutschland schon einmal in zwei Teile gespalten. Nämlich in ein südliches von den Römern besetzten Provinzen Ober- und Niedergermanien, sowie Rätien die das Alpengebiet bis zur Donau umfasste und dem unbekannten freien Germanien von dem alten Römern Germania Magna genannt.

Geteilt wurden Nord- und Südteil durch eine sage und schreibe 550 km lange Mauer, den die Römer den „Limites“ nannten, was soviel wie „Grenze“ bedeutet.

Wann entstand der Limeswall

Einst drang das römische Imperium bis an die Elbe vor. Nach einer verheerdenden Schlacht um 9. n. Chr. zwischen den Feldherrn Varus und den germanischen Anführer Arminius, der die Römer durch einen Hinterhalt in die Germanischen Wälder locke, zogen diese sich aus dem schlecht beherrschbaren Terretorium zurück.

Limeswall Schildkröte Römer
In den Germanischen Wäldern half die für eine offene Feldschlacht ausgelegte Kriegstaktik der Römer wenig

Die Grenzen bildeten dabei die Flüsse Rhein und Donau und ein kleines Stück des Mains, diese werden heute als „Nasser Limes“ bezeichnet. Doch schon 100 Jahre später wagten sich die Römer erneut vor um landwirtschaftlich fruchtbare Gebiete, wie die Wetterau zu erobern und die Grenzlinie zu verkürzen.

Wozu diente der Limeswall?

Der Limeswall sollte diese Gebiete vor Eindringlingen schützen. Der Limes war keine unüberwindbare Grenze. Zunächst bestand der Limes jediglich aus einem aufgeschüttetem Graben mit Wachtürmen aus Holz die miteinander über Feuersignale kommunizieren konnten. Im Hinterland befanden sich mehrere Kastelle mit einer festen Besatzung, drangen nun die feindlichen Germanen in das römische Gebiet ein konnten sie dort abgefangen und bekämpft werden. In späteren Zeiten wurde es immer notweniger des Limes stärker zu befestigen. So entstanden in Obergermanien ab 160 n. Chr. Holzpalisaden und in Rätien sogar Steinwälle. Neben diesem wichtigen Hauptziel diente der Limeswall auch als Kontrolle von Warenein- und -ausfuhr, Zollstation und Abschreckung.

Limeswall
Der größte Abschnitt des Limes wurde durch Holzpalisaden und Gräben gesichert

Welche Menschen lebten am Limeswall?

Zunächst natürlich die römischen Soldaten genannt Legionäre, die die Grenzen bewachen mussten. Sie bestanden zum großen Teil aus Hilfstruppen, die aus den anderen römischen Provinzen, wie Thrakien, Syrien oder Illyrien (der heutigen Balkanhalbinsel) stammen. Ihnen wurde am Ende ihrer Dienstzeit das römische Bürgerrecht versprochen und sie bekamen eine gute Besoldung.

Dies lockte zahlreichen Händler, Handwerker und Geschäftemacher an. So entstanden um größeren Kastellen ganze Siedlungen genannt Vici. In ihnen musste der vom harten germanischen Wetter geplagte Legionär auf keine Annehmlichkeit verzichten. An vielen Kastellstandorten gab es Gast- sowie Badhäuser. Im Kastell Zugmantel kann man sogar die Reste einer kleinen Gladiatorenarena erkennnen.

Limeswall Hilfstruppen
Der Limeswall wurde von Hilfstruppen besetzt, besonders gute Bogenschützen kamen oft aus Syrien

Warum verschwand der Limeswall?

Man könnte sagen aus deselben Gründen warum das römische Reich schließlich zusammenbrach. Zum einen wurde Rom häufig in Kämpfe mit dem großen Sassanidenreich im Osten des Reiches verwickelt und immer wieder mussten Soldaten, die eigentlich für die Bewachung des Limes zuständig waren für die kostspieligen Feldzüge nach Persien abgezogen werden. Zu diesen Zeiten war es für die Germanen ein Leichtes die Grenze zu überschreiten und mit reicher Beute zurückzukehren.

Zwar wurden des öfteren Strafexpeditionen in das Innere Germaniens druchgeführt ( so unter Kaiser Caracalla, Maximinius Thrax), doch schließlich half auch das nicht mehr. Zudem sorgten innere Streitigkeiten z.B. im Sechskaiserjahr indem sich wirklich 6 Kaiser in einem Jahr um den römischen Thron stritten für Chaos.

Die Kaiser waren auch darauf angewiesen die Soldaten zu bestechen, wollten sie ihre Macht behalten. Die Zunehmende Verschuldung des römischen Staates führten zu einem Währungsverfall. Immer Häufiger fehlte Geld das Know How gut bezahlter Baumeister um den Limeswall instandzuhalten.

So zog man sich schließlich ab 260 n. Chr. wieder komplett hinter die Flüsse Donau, Iller und Rhein zurück, das diese Flussgrenzen leichter zu verteidigen waren.

Limeswanderweg

Der Limeswall gehört heute zusammen mit dem Hadrianswall in England zum UNESCO-Weltkulturerbe „Römische Grenzen“ Der Limeswanderweg ist ein Fernwanderweg der dieser 550 km langen Grenze folgt.

Limeswall
Der Limeswanderweg beginnt in Rheinbrohl in Rheinland-Pfalz

Wie lange ist der Limeswanderweg?

Da der Limeswanderweg nicht nur immer entlang der Mauer verläuft, sondern auch zu den Kastellen im Hinterland führt, ist er selbst 750 km lang.

Durch welche Bundesländer führt der Limeswanderweg?

Der Limeswanderweg führt durch die 4 Bundesländer Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern.

Er beginnt bei Rheinbrohl direkt am Rhein und führt zunächst durch ein abwechlungsreiches Gebiet in den Westerwald. Im hessischen Teil wandert man durch den Taunus und hier sind noch besonders viele gut erhaltene Kastellmauern zu besichtigen, danach folgt die Wetterau ein bis heute landwirtschaftlich bedeutendes Gebiet mit historischer Vergangenheit.

Schließlich gelangt man an den Main. In Churfranken kannst du deutsche Rotweine entdecken und in zahlreichen kleinen Winzerstuben, sogenannten „Häcken“ schmecken lassen.

Im schwäbischen Teil geht es weiter durch den Odenwald und druch die reizvolle Gegend der schwäbischen Alb. Auf dem letzten Abschnitt wanderst du durch das fränkische Altmühltal bis an die Donau in Bad Göggingen mit dem beeidruckenden Überresten des Kastells Abusina. Weiter der Donau entlang gelangt man über das wunderschöne Kloster Weltenburg und über Kehlheim bis nach Regensburg, auch die nördlichste Stadt Italiens genannt.

Limeswall
und endet in Regensburg, auch nördlichste Stadt Italiens genannt

Schwierigkeitsgrad

Der Limeswanderweg ist für jeden geeignet, gutes Schuhwerk vorrausgesetzt. Der Weg führt größtenteils durch ebenes Flachland. Nur im Westerwald, Taunus und der schwäbischen Alb sind Höhenmeter von geringer Größe zu überwinden. Die Größte Erhebung ist dabei der große Feldberg mit 881 Metern.

historische Schauplätze und Rekonstruktionen, archäologische Parks

Seitdem der Limes UNESCO-Weltkulturerbe ist hat sich dort vieles getan. In Rheinbrohl und Aalen entstanden archäologische Parks, in denen du römische Geschichte anfassen kannst. Verschieden wiedererrichtete Limestürme bieten nicht nur eine tolle Aussicht, sondern geben eine Vorstellung davon wie diese ausgesehen haben könnten. In Pohl und Saalburg wurden sogar ganzer Kastelle wiedererichtet. Geschichte nicht nur zum Erwandern sondern zum Erleben!

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg
Die Saalburg ist eine Rekonstruktion eines Limeskastells aus Wilhelminischer Zeit

Römerfeste rund am Limeswall

Auch finden jährlich Römerfeste am Limes statt, auf denen historische Vereine einen lebendigen Eindruck von dem Geschehen rund um den Grenzwall vermitteln und römische Gerichte zum Kosten anbieten.

  • Römertage Rheinbrohl (Mai)
  • Römertage Kastell Zugmantel (Oktober)
  • Römerfest Idstein-Dasbach (August)
  • Internationale Römertage archäoloigischer Park Aalen (September)
  • Römerfest Kastell Abusina (August)
Limeswall
Der Limesturm in Dasbach ist eine der aktuellsten Rekonstruktionen, dort findet jedes Jahr im August ein Römerfest statt

Kosten auf dem Limeswanderweg

Unterkunft: Da der Limesweg quer durch Deutschland touristische und weniger touristische Orte durchquert sind die Übernachtungskosten ganz unterschiedlich zwischen 20 – 30 € in der Maingegend bis etwa 60 – 70 € in Idstein und dem Taunus. Stellenweise sind auch Campingplätze zu finden.

Verpflegung: Essen gehen kostet zwischen 12 und 15 Euro. Sicherlich kein Problem ist es auf einen Supermarkt zu stoßen.

Eintritte für Mueseen: Meistens 3 – 5 Euro, selten 7 Euro, archäologische Ausgrabungen und Limesinformationszentren sind frei.

Highlights auf dem Limeswanderweg

  • Bad Ems (reicher Kurort der Herrscher des 19. Jahrhunderts)
  • Kastell Pohl (widererrichtetes Limeskastell nach neuesten Erkenntnissen)
  • Idstein (mittelalterliche Märchenstadt im Taunus)
  • Kastell Kleiner Feldberg (Besterhaltenstes Originalkastell am Limes)
  • Saalburg (von Kaiser Wilhelm II. in Autrag gegebene Rekonstruktion eines Limeskastells nach damaligen Maßstäben)
  • Weissenburg: Kastell mit wiederrichteten Tor, den Ausgrabungen einer römischen Therme und reichen Silberschatzfunden
  • Bad Göggingen (Stadt mit Römerbad und dem Kastell Abusina)
Limeswall
Das Kastell Pohl im gleichnamigen Ort ist eine Rekonstruktion begeisterter Laienhistoriker


Reisejahr: 2019

Hallo an euch Reisesüchtigen da draußen,

ein neues Reisejahr beginnt mal wieder und das meine Berichte aus Pakistan nun zuende geganngen sind möchte ich euch verraten, was als nächstes auf diesen Blog geschieht.

In den kommenden Wochen werde ich mich auf machen den 550 km langen Limesweg, den ich bereits zuvor schon in unregelmäßigen Abständen gewandert bin, zu beenden. Dazu werde ich weiter von Aschaffenburg bis nach Gunzenhausen im fränkischen Altmühltal wandern. Den Abschnitt Saalburg – Aschaffenburg, den ich bereits im letzten Jahr für euch erwandert habe möchte ich euch dabei nicht vorenthalten.

Außerdem werde ich euch von Georgien und dem Kaukasus berichten.

georgische Kirche im Kaukasus

Natürlich wird es demnächst auch wieder viele Berichte über Tagestripps in Deutschland geben. Die Arbeit des Förderkreises Bundefestung Ulm hatte mich nachhaltig beeindruckt und viele weitere Festungsanlagen warten darauf entdeckt zu werden.

Nächste Woche gibt es dann nochmal nähere Infos zum Limes und dem Wanderweg. Bevor wir uns dann direkt mit der Saalburg und einem römischen Gericht auf eine spannende Reise in die Vergangenheit machen.

Limeswanderweg-Abschnitt Saalburg
In der Saalburg

Solange könnt ihr ja mal auf Isoldes fernsuchtblog vorbeischauen dort habe ich ebenfalls einen Gastartikel über Pakistan geschrieben und es gibt noch viel mehr zu entdecken.

Sindh im Süden Pakistans

Sindh im Süden Pakistans

Die Einwohner des Sindh, im Süden Pakistans sind ein sehr lebensfrohes und fröhliches Volk. Sie sind stets zu scherzen aufgelegt und Lachen und Tanzen gerne. Kein Wunder, dass sich hier die Sufis gerne niederließen, die bedeutendsten Schreine befinden sich hier. Viel früher in der Menschheitgeschichte enstanden entlang der fruchtbaren Ebene des Indus zahlreiche antike Stätten und Burgen zeugen von diesen Jahrtausende alten Zivilisationen.

Larkana

Larkana befindet sich an den für Pakistan und Sindh  so lebensspendenden Fluss Indus. Zwei Sehenswürdigkeiten gibt es hier zu sehen. Den Buttho-Schrein, das riesige Mausoleum der Politikerdynastie und die antike Ausgrabungsstätte Mohenjo Dario.

Bhutto Schrein

Dies ist der Schrein der Anführer der sozialischtischen PPP (Peoples Party Pakistan), die besonders in den sehr ländlich geprägten und armen Sindh im Süden Pakistans ihre Stammwählerschaft mobilisieren können. Während der Jahrzehnte wechselten sich Bhuttos und Sharifs von der Muslimliga immer wieder ab. Zwischendurch übernahm hin und wieder der Armeechef die Regierungsgeschäfte. Letzteres wurde dem ersten Präsidenten, Zulfikar Ali Bhutto, zum Verhängnis. Er wurde von einem Militärputsch gestürzt und am 4. April 1979 erhängt.

Auch seinen Kindern, die mit ihm im Schrein beerdigt wurden, erging es nich besser – Murtaza Bhutto kam bei einer Schießerei durch die eigene Polizei ums Leben, die Sindhi hielten es für einen Auftragsmord. Shanawaz starb im französischen Exil, lange verdächtigte man seine eigene Frau ihn vergiftet zu haben. Seine Tochter Benazir Bhutto konnte sogar noch einmal die Wahlen für die Partei gewinnen. Wurde jedoch als sie 2008 aus dem Exil zurückkam um erneut zu den Wahlen anzutreten, durch ein Attentat ermordet.

Der gewaltige Schrein sieht aus, wie ein großer Maharadscha-Palast aus dem Disneyfilm „Aladdin“. Auf dem riesigen Platz finden wichtige Versammlungen und Kundgebungen der Partei statt.

Sindh im Süden Pakistans

Mohenjo Dario

Hier hast du die einziartige Gelegenheit auf den Spuren der sagenumwobenen Induszivilisation des Sindh im Süden Pakistans zu wandern. Neben Ägypten und Mesopotamien ist sie eine der drei frühesten Zivilisationen der Menschheit. Mohenjo Dario, im Jahre 1911 wiederentdeckt, entstand ca. 1800 – 2500 v. Chr. und war vermutlich einer der ersten Städte die nach einem Plan angelegt wurde, da sich keine Spuren früherer Siedlungen dort befinden.

Sindh im Süden Pakistans

Das Heiligtum im Zentrum der Stadt

So kann man gepflasterte Straßen, oberirdische Abwasserkanäle, Waschräume und sogar ein Bad, welches 12 m lang und 7 m breit war besichtigen. Das Bad hatte einen eigenen Zulaufkanal und auch einen Abfluss. Archäologen vermuten, dass das es über einen Brunnen gefüllt wurde und rituellen Zwecken diente. Im Zentrum des ganzen steht ein großes, rundes Heiligtum.

Zur Ausgrabungsstätte gibt es auch ein Museum in dem Fundstücke aus den archäologischen Grabungen zu sehen sind. Sie umfassen Tongefäße, Werkzeuge, Armreife, interessante Tonspielzeuge und Skulpturen. Dabei ist das „Dancing Girl“ ein besonders herausragendes Beispiel frühzeitlicher Induskunst. Es ist jedoch nur die Replik zu sehen, denn das Original befindet sich im Nationalmuseum Neu-Dehli´s. Ein kunstvolles Abbild eines als „Priesterkönig“ bekannten Idols ist hingegen in der Hafenstadt Karachi zu finden.

Sindh im Süden Pakistans

Das große Bad

Sehwan Sharif

Sehwan Sharif ist ein sehr bedeutender Ort. Jährlich kommen tausende Pilger, Sufi wie auch Hindus, in die Stadt um das Grab eines ihrer wichtigsten Heiligen zu besuchen! Die Rede ist von Lal Shabaz Qalander!

Der „Rote Sufi“ wie er auch genannt wird stammte ursprünglich aus dem heutigen Afghanistan, bereiste die gesamte damalige islamische Welt und ließ sich vermutlich 1251 in Sehwan nieder. Insbesondere setzte er sich für Toleranz zwischen Hindus und Muslimen ein, was in einer Zeit in der Christen und Muslimen im „Heiligen Land“ blutige Kreuzzüge gegeneinander führten, sehr beachtlich war.

Sindh im Süden Pakistans

Der Schrein

Mit einem Taxi fuhren wir mit meinem Couchsurfing-Hosts Nabeel und Humdu zum Schrein des Heiligen. Im Jahre 1356 errichteten die Sindhi ihm zu Ehren einen Schrein. Schon von weitem konnten wir die riesige Goldene Kuppel erkennen. Viele Herrscher wollten sich mit dem Roten Sufi nach seinem Tod schmücken und spendeten für den Schrein, so wurde er im lauf der Jahre immer größer und prächtiger.

Eine prunkvollen goldenen Türen vor dem Haupteingang aufgestellt, stiftete der letzten Schah von Persien, Reza Pahlavi, in den 70er Jahren. 1994 geschah ein Unglück und die Kuppel stürzte ein. Die prächtige, innere Wandfassade der neuen Kuppel wurde mit tausenden von weißen und farbigen Spiegeln verkleidet. Laut Nabeel wurde sie auch von Iraks grausamen Diktator Saddam Hussein mitfinanziert. Was Lal Shabaz wohl dazu gesagt hätte?

Sindh im Süden PakistansSindh im Süden Pakistans
Am Grab des Heiligen

In der Mitte der Kuppel steht der riesige Schrein des Heiligen mit dessem Sarg. Eine den raumfüllende mystische Aura umgibt ihn, die mich und die anderen Besucher des Schreins andächtig werden ließ. Selbst meinen Taxifahrer und ich dachte immer denen wäre nichts heilig… Neben den Schrein befindet sich ein Rohr und ein silberner Behälter den die Gläubigen hochdrücken müssen, um segenspendendes heiliges Wasser zu erhalten als Belohnung für die lange Pilgerfahrt. Hier wagen es nicht einmal die Schreinwächter in agressiver Weise eine Geldspende zu verlangen, wie es in Multan der Fall war. Jeder möchte diesen großartigen, weisen Mann die Ehre erweisen und kommt mit völlig friedlichen Absichten.

Sindh im Süden Pakistans

Der Schrein in dem sich das Grab des Roten Sufis befindet

Dennoch hatte sich hier erst 2017 ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Nabeel zeigt mir die Stelle am rechten Ausgang in Richtung des großen Platzes an dem jeden Donnerstag die Damal stattfindet. 88 Menschen kamen dabei ums leben. Seitdem verbesserten sich die Sicherheitsvorkehrungen erhelblich und vor dem Schrein werden die Besucher wie im Fußballstadion kontrolliert. Auch mich beäugten die Polizisten zunächst kritisch, nachdem alles geklärt ist, wurde ich aber sehr freundlich willkommen geheißen. Den Andrang am Schrein hat der Anschlag glücklicherweise keinen Abbruch getan, was ich sehr wichtig finde und auch wir Reisende sollten uns nicht von den verblendeten Fanatikern und Hetzern einschüchtern lassen, sondern uns weiter für den Frieden und die Völkerverständigung in unseren Ländern einsetzen. Wie es einst Lal Shabaz Qalander tat!

Sindh im Süden Pakistans

Ranikot Fort

Auch zum Ranikot Fort brauchst du ein Taxi, denn es gibt dorthin keinen öffentlichen Transport. Es liegt 90 km enftfernt von der Stadt Hyderabad inmitten einer baumlosen Steinwüste umringt von kahlen Bergen. Vor dem eigentlichen Fort befindet sich ein großer Wall, der zwar nicht so lang wie die chinesiche Mauer ist, dafür hast du sie aber ganz für dich alleine!

Sindh im Süden Pakistans

Beide Seiten können bestiegen werden und du kommst in den Genuss einer wunderschönen Aussicht über die unwirtliche Gegend. Doch Vorsicht, nimm unbedingt genügend Wasser zu trinken mit und steige langsam die Treppenstufen hinauf, denn selbst Ende September herrschen noch unglaublich hohe Temperaturen. Die Funktion des Forts ist höchst rätselhaft, jüngste Forschungen ergaben, dass das Fort erst im 17. Jahrhundert und somit viel später enstand als ursprünglich gedacht.

Sindh im Süden Pakistans

Die Große Mauer und der Ausblick auf Tal

Weiter den Weg folgend gelangst du an ein viereckiges Fort. Hier sollte auch ein Restaurant entstehen, doch das Geld ging wieder einmal aus, so nehmen wir in einem halb fertigen Gebäude mit dem alten Aufseher platz und genießen einen Tee. Weiter oben auf einer Bergkuppe befindet sich ein weiteres Fort, doch mit unseren Taxi können wir nicht hinauffahren und der Aufstieg zu Fuß wäre reiner Selbstmord. So begnüge ich, Hamdu und Nabeel uns damit den Blick auf das Fort von der Ferne zu genießen.

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Bit Sharif

Shah Abdul Latif Bhittai geboren 1690 nahe der heutigen nach ihm benannten Stadt, ist einer der wichtigsten und beliebtesten Dichter und Sufi-Heiligen in der Provinz Sindh im Süden Pakistans. Sein wichtigstes Werk ist das Shah Jo Risalo. In den „Qualitäten“ der sieben Königinnen des Sindh besingt er die Geschichte des Sindh im Süden Pakistans mit ihren wechselnden Herrschern, das traurige Los der Armen und die Gier der Reichen. An Akutalität haben die Ferse bis heute nichts eingebüßt.

Ihm zu ehren wurde ein wunderschöner Schrein mit blau-weißen Kachelarbeiten errichtet.

Sindh im Süden Pakistans

Schrein in Bit Sharif

Du möchtest noch mehr über Sufismus und andere Schreine in Pakistan erfahren, dann klick auf meinen Artikel über Multan, die Stadt der Schreine!