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Multan, die Stadt der Schreine

Multan, die Stadt der Schreine

Multan, die Stadt der Schreine

Schon immer musste derjenige der von Afghanistan nach Indien wollte auch Multan, die Stadt der Schreine queren. So verwundert es kaum, dass Alexander der Große die Stadt auf seinem Feldzug eroberte und nach ihm kamen viele weitere Herrscher der Araber, Mongolen, Mogulen, Sikhs und schließlich die Briten.

Multan, die Stadt der Schreine ist vor Allem für zwei Dinge bekannt! Zum Einen befinden sich hier unglaublich viele Gräber (Man könnte den Eindruck haben in der Stadt befinden sich beinahe genausoviele Gräber, wie Menschen auf der Straße!). Zum Anderen für ihre große Hitze, welche im ganzen Land niergends so hoch ist wie in Multan, die Stadt der Schreine. Laut einem alten Sprichwort hat Multan Gräber, Bettler, Staub und Hitze im Überfluss!

Warum also überhaupt hierherkommen? In Multan haben viele Sufi-Heilige gewirkt, deren kunstvolle Schreine sich über die ganze Stadt verteilen. Die wichtigsten  davon sind die Schreine von Rukn-i Alam, Shah Shams Tabrizi und Baha’uddin Zakariya. Außerdem ist der Bazar von Multan, ein wahres Gourmetparadies in dem du allerlei pakistanische Köstlichkeiten findest, wie köstliche Samosas, süße Galub e-Jamun und herrlich erfrischenden Granatapfelsaft. Denn viele wärmeliebende Früchte gedeihen in der warmen Region vorzüglich!

Multan, die Stadt der Schreine

Eischub: Was ist Sufismus?

Ehrlich gesagt bin ich selbst nach Pakistan gereist und besuchte die Heiligen Schreine, um eine Antwort auf diese Frage zu finden, aber sie ist nicht leicht in 1-2 Sätzen zu beantworten. Zum ersten Mal kam ich mit dem Sufismus im Iran in Kontakt, als ich zufällig zwei Iraner traf und eine ganze Woche mit ihnen in ihrem Zelt durch Lorestan, sowie Kurdistan gereist bin.  (Einen Bericht über diese Reise findest du hier)

Einer von ihnen beschäftigte sich viel mit Sufismus. Die Ruhigkeit, Ausgeglichenheit und Geduld dieses jungen Iraners, der im selben Alter war wie ich, hatte mich schwer beeindruckt. So etwas hatte ich zuvor noch nicht erlebt und so begann er mir einiges davon zu erzählen.

Liebe zu Gott

Sufismus ist vielmehr eine Philosophie, als eine Glaubensströmung. So steht sie eigentlich allen Religionen offen, auch wenn das immer wieder von streng gläubigen Muslimen bestritten wird. Im Zentrum der Lehre steht die „Liebe“ zu Gott, aber auch zu dessen Geschöpfen, wie Mitmenschen und Tieren und auch der Schöpfung insgesamt. 

Meditation

Ein wichtiges Hilfsmittel um Gott näher zu kommen sind Meditationsübungen (Dhikir). Ein Pakistaner aus Larkana zeigte eine Übung. Ich sollte mich auf meinen Herzschlag konzentrieren und innerlich dazu Gott, Gott, Gott… sagen. Wenn ich diese Übungen oft genug wiederholen würde, würde Gott mir irgendwann begegnen und ich könnte eins mit ihm und seiner Schöpfung werden. Es steckt also auch viel Mystik in dieser Philosophie.

Musik & Tanz

Auch Musik und Tanz (Damal) spielt eine wichtige Rolle im Sufismus. So soll das Schlagen großer Trommeln den Herzschlag nachempfinden und beim Meditieren helfen. Auch tanzt man sich regelrecht in Trance. Die Drehungen der Derwische (Türkei) ist ein gutes Beispiel dafür. 

Kritik am Sufismus von streng, gläubigen Muslimen

In Pakistan verdrängt leider die strenge Auslegung des Islams, wie sie zum Beispiel in Saudi-Arabien vorherrschend ist zunehmend den Sufismus. Von den orthodoxen Muslimen wird die Suche nach Gott und die Einswerdung mit diesen als Gotteslästerung angesehen, das Aufsuchen der Sufischreine als Götzendienst und Musik wie Tanz ist iher Meinung generell unislamisch. Auch ich hatte den Eindruck, dass ich des öfteren Pakistaner traf, die sich als Sufis bezeichneten, dabei aber mehr einen strengen Islam lebten und viele Werte des Sufismus sogar verleugneten.

Natürlich traf ich auch noch auf echte Sufis. Der Austausch mit diesen war eine tolle Erfahrung und ich werde gewiss einiger ihrer Meditationsübungen in meinen zukünftigen Lebensalltag integrieren.

Bohar Gate & Shah-Gardezi-Schrein

Kommt du vom Minibusstand in der Hassan Parwana Road erreichtst du automatisch das Bohar Gate. In der Nähe befindet sich der Shah Gardezi Schrein, welcher im 11. Jahrhundert nach Afghanistan kam und hier Wunder gewirkt haben soll. Es ist ein eher unbedeutender Schrein, liegt aber auf dem Weg zu den großen Schreinen und hat eine ganz schöne Kachelvazierung. Jedoch musste ich meine Kamera beim Besuch abgeben.

Shah-Rukn-i-Alam-Schrein

Am nördlichen Ende der Altstadt befindet sich das Lohari Gate und der Ghanta Ghar Clocktower, welcher aus der britischen Zeit stammte.

Multan, die Stadt der Schreine

Von hier aus siehtst du auch schon den ersten Schrein, der auf dem Hügel trohnt. Es ist der Schrein des Sufi-Heiligen Shah Rukn-i Alam, was so viel wie „Säule der Erde“ bedeutet. Er lebte von 1250 – 1335 und war der Enkel Baha’uddin Zakariya´s dessen Lehren er weiter verbreitete.

Der Schrein ist ein Vertreter der Architektur in der frühen Tughluq-Dynastie, welche 1320 – 1413 über einen Großteil Indiens und Pakistans herrschte.

Der Schrein ist als ein Oktagon aufgebaut, welches von einem zweiten mit niedrigeren Türmen umschlossen ist. Die Fassade ist geschmückt mit Blumen- und Rankenmotiven auf einem azzurblauen Hintergrund, welcher im Kontrast zu den roten Ziegelsteinen steht.

Im Inneren befindet sich sein Grab zusammen mit 72 weiteren Gräbern seiner Verwandten, angelehnt an die 72 Krieger, die mit Imam Hussein in der Schlacht bei Kerbala den Tod fanden.

Das große Quasim-Tor, das du auf dem Weg zum Schrein durchquerst ist Teil eines alten Forts. Gegenüber des Schreins befindet sich ein Park und ein kleines Kunstmuseum. An den Hängen des Parks hat man eine tolle Aussicht auf die Stadt.

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Bah´uddin-Zakariya-Schrein

Baha’uddin Zakariya wurde in einem kleinen Ort nahe Multan geboren und reiste 15 Jahre durch das Land um den Islam zu verbreiten und kehrte 1222 nach Multan zurück.

Ihm wurde der Baha´uddin Zakariya-Schrein gewidmet, den du nach dem Rukn-i Alam-Schrein der linken Straße weiterfolgst. Das Gründgerüst des Schreins bildet wieder ein Oktagon, welches von einem viereckigen Bau umschlossen ist an dem sich ein weiterer rechteckiger Vorbau befindet. Die noch verhaltenen Blauen Zierelemente an Vorbau und Kuppel zeigen den Einfluss der zentralasiatischen Kunst, welche im 13. Jahrhundert immer mehr nach Pakistan herüberschwappte.

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Shams Tabrezi-Schrein

Sechzehn Minuten Fußweg sind es zum Schrein Shams Tabrezis (manchmal auch Shamsuddi Sabzwari)

Dies ist einer von drei Orten, der für sich reklamiert die sterblichen Überreste des berühmten Sufi und Mentor von Rumi zu beherbergen. Niemand ist sich sicher was mit Shams Tabrizi wirklich geschah, er musste von seinen Feinden fliehen und war eines Tages verschwunden. Keiner weiß, ob ihm die Flucht tatsächlich gelang es gibt deshalb unzählige Legenden, dass er an verschiedenen Orten, wie hier in Multan wieder auftauchte und bis an sein Lebensende in Frieden predigen konnte.

 Einer dieser Erzählung nach bat er die Einwohner Multans bei seiner Ankunft um Essen. Als ein Multaner Bürger schließlich erbarmen mit ihm hatte, bat er um Feuer, damit er das Essen kochen konnte. Keiner gab ihm Feuer. Shams Tabrezi war daraufin so verägert, dass er Gott bat die Sonne näher an die Erde zurücken. Tabrezi konnte schließlich sein Essen kochen, doch seit diesem Ereignis sind alle Sommer in Multan kochendheiß. Sein Schrein ist der jüngste und schönste Schrein. 1330 ließ ihn einer seiner Enkel bauen. Vorherrschend sind blaue Kachel- und Reliefvazierungen, selbst die Zieglemauern besitzen schöne Blumenmuster und die Kuppel ist mit hellgrünen Kacheln verkleidet.

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Basar in der Altstadt

Sorgen in Multan zu verhungern braucht man sich heutzutage nicht mehr machen. Rund um den Schrein Tabrezis befinden sich Läden mit einer ganz besonderen Köstlichkeit Sohan Halwa! Es ist eine süße, teigige Masse mit weiteren Zutaten wie Mandeln, Kardamon und anderen Gewürzen versehen. Nach den Besuch der Schreine solltest du dir noch Zeit nehmen durch den Basar in der Altstadt zu streifen. Multan, die Stadt der Schreine ist auch berühmt für seine Textilien (vor allem Hochzeitskleider und -schuhe).  In jeder Straßenecke duftet eine neue kulinarische Leckerei, wie Gulab Jamun, Samosas und köstliche, frisch gepresste Säfte. Also immer der Nase lang!

In meinem Artikel: Auf meiner kulinarischen Entdeckerreise durch Pakistan  habe ich diese Köstlichkeiten nochmals ausführlicher beschrieben. Außerdem findest du dort noch viel mehr Spezialitäten aus den anderen Teilen des Landes.

Auf meiner kulinaischen Entdeckerreise durch Pakistan
Sohan-Halwar-Laden in der Nähe des Shams Tabrazi Schreins

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